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RatgeberFamilienlebenSharenting - Gefahren beim Teilen von Kinderfotos auf Social Media

Sharenting – Gefahren beim Teilen von Kinderfotos auf Social Media

Kürzlich haben wir über die Mediensucht von Kindern und Jugendlichen berichtet. Heute geht es mit dem Sharenting um einen Trend bezüglich der Mediennutzung von Eltern. In einer Zeit, die von Social Media geprägt ist, gehört das Teilen von Momenten aus unserem Leben zum Alltag dazu. Von kulinarischen Higlights über Reiseabenteuer, sportlicher Betätigung oder der beruflichen Entwicklung, kaum etwas bleibt der digitalen Öffentlichkeit vorenthalten. Insbesondere für stolze Eltern scheint es fast unausweichlich zu sein, jeden niedlichen Schnappschuss, lustige Clips und jeden bedeutenden Moment ihrer Kinder auf Plattformen wie Facebook, Instagram oder TikTok zu veröffentlichen.

Doch während das „Sharenting“ oft als harmloser Vorgang angesehen wird, verbirgt sich hinter den sehr persönlichen Posts eine Vielzahl von potenziellen Gefahren. In einer Zeit, in der digitale Spuren unauslöschlich sind und die Online-Privatsphäre eine zunehmend wichtige Rolle spielt, ist es unerlässlich, die Risiken des Sharenting ernst zu nehmen. Diese Gefahren reichen von Datenschutzbedenken und Cyberkriminalität bis hin zu langfristigen Auswirkungen auf die Privatsphäre und Sicherheit unserer Kinder. Angesichts dieser Herausforderungen ist es wichtig, dass Eltern sich bewusst machen, wie sie verantwortungsbewusst mit dem Teilen von Kinderfotos in sozialen Medien umgehen können, um ihre Kinder und ihre Familie zu schützen.

Definition von Sharenting

„Sharenting“ ist ein Begriff, der sich aus der Kombination der Wörter „sharing“ (Teilen) und „parenting“ (Elternschaft) ableitet. Er bezeichnet das Phänomen, bei dem Eltern aktiv Inhalte über ihre Kinder in sozialen Medien teilen, sei es in Form von Fotos, Videos, Updates oder Geschichten aus dem Familienleben. Der Begriff „Sharenting“ wurde in den frühen 2010er Jahren geprägt, als die Nutzung von sozialen Medien immer verbreiteter wurde und Eltern begannen, das Leben ihrer Kinder online zu dokumentieren und zu teilen. Seitdem ist Sharenting zu einem allgegenwärtigen Bestandteil der Online-Kultur geworden, wobei Eltern oft als die Hauptakteure bei der Veröffentlichung von Inhalten über ihre Kinder auftreten.

Sharenting meint das Teilen von privaten Fotos und Filmen auf Social Media
© mac_sim (depositphotos.com)

Im Kern bezieht sich Sharenting darauf, dass Eltern die Erfahrungen und Ereignisse ihrer Kinder in sozialen Medien öffentlich machen, oft mit dem Ziel, Familie und Freunde zu informieren, Erinnerungen festzuhalten oder sogar potenziell eine Online-Community aufzubauen. Oder auch einfach nur Likes und Follower einzusammeln. Die Inhalte können von alltäglichen Momenten bis hin zu bedeutenden Meilensteinen reichen und bieten einen Einblick in das Familienleben aus der Perspektive der Eltern. Während Sharenting für viele Eltern eine Möglichkeit ist, ihre Liebe und Stolz für ihre Kinder auszudrücken und eine digitale Erinnerungssammlung aufzubauen, birgt es auch eine Reihe von potenziellen Risiken und Herausforderungen.

Es ist nicht alles schlecht – Die Vorzüge des Sharenting

Sharenting bietet eine Vielzahl von Vorteilen für Eltern und Familien. Einer der wichtigsten Aspekte ist die Stärkung des Familienzusammenhalts. Durch das Teilen von Fotos, Videos und Geschichten aus dem Familienleben können Eltern ihre Liebe und Verbundenheit zu ihren Kindern ausdrücken und eine Gemeinschaftsgefühl sowohl innerhalb der Familie als auch mit entfernten Verwandten und Freunden fördern.

Ein weiterer Vorteil des Sharenting liegt in der Dokumentation von Meilensteinen und Erinnerungen für die Familie und Freunde. Indem Eltern wichtige Momente im Leben ihrer Kinder in sozialen Medien teilen, können sie nicht nur diese Erinnerungen für sich selbst bewahren, sondern auch anderen ermöglichen, an den Freuden und Erfolgen der Familie teilzuhaben.

Darüber hinaus bietet Sharenting potenzielle Chancen für die berufliche oder kreative Entwicklung der Eltern. Einige Eltern nutzen ihre Präsenz in sozialen Medien, um ihre Fähigkeiten und Talente zu präsentieren, sei es durch das Teilen von DIY-Projekten, Kochrezepten oder anderen kreativen Werken. Diese Aktivitäten können nicht nur zu einer persönlichen Befriedigung beitragen, sondern auch berufliche Möglichkeiten und Kooperationen schaffen.

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© Erik Lucatero (Unsplash)

Vorsicht ist geboten – Die Risiken des Sharenting

Während Sharenting eine beliebte Praxis unter Eltern ist, birgt sie auch eine Reihe von Risiken und Herausforderungen, die es zu berücksichtigen gilt. Einer der wichtigsten Aspekte sind Datenschutzbedenken und die potenziellen Auswirkungen auf die Privatsphäre der Kinder. Durch das Teilen von Fotos und persönlichen Informationen in sozialen Medien können Eltern unwissentlich die Privatsphäre ihrer Kinder gefährden, indem sie sensible Daten öffentlich zugänglich machen. Dies kann zu unerwünschter Aufmerksamkeit, Belästigung oder sogar Missbrauch führen. Es gab hier bereits Skandale, weil die Kinderbilder von Accounts prominenter Personen im Darknet veröffentlicht und zur Bewertung veröffentlicht wurden.

Ein weiteres Risiko des Sharenting besteht in der Gefahr von Cyberkriminalität und Identitätsdiebstahl. Indem Eltern persönliche Informationen über ihre Kinder online teilen, könnten sie potenziell Cyberkriminellen Tür und Tor öffnen, die diese Informationen missbrauchen könnten, um Identitätsdiebstahl oder andere betrügerische Aktivitäten zu begehen. Es ist wichtig, sich bewusst zu sein, dass das Internet kein sicherer Ort ist und dass die Veröffentlichung persönlicher Informationen das Risiko von Online-Bedrohungen erhöhen kann.

Darüber hinaus können langfristige Folgen für das Kind entstehen, einschließlich potenzieller Peinlichkeiten oder Nachteile in der Zukunft. Was heute niedlich und unschuldig erscheinen mag, könnte später einmal zu Scham oder Unannehmlichkeiten für das heranwachsende Kind führen. Fotos, Bewegtbild oder Informationen, die einmal online veröffentlicht wurden, können schwer wieder zurückgenommen werden und könnten das Kind in seiner Zukunft beeinflussen, sei es in sozialen Beziehungen, schulischen oder beruflichen Situationen.

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© Adem AY (Unsplash)

Insgesamt ist es wichtig, dass Eltern sich der potenziellen Risiken des Sharenting bewusst sind und verantwortungsbewusst darüber nachdenken, welche Inhalte sie über ihre Kinder in sozialen Medien teilen. Der Schutz der Privatsphäre und Sicherheit der Kinder sollte stets oberste Priorität haben, auch wenn es bedeutet, auf einige der vermeintlichen Vorzüge des Sharenting zu verzichten.

Tipps für verantwortungsbewusstes Sharenting

Sharenting kann eine sichere und positive Erfahrung sein, wenn Eltern verantwortungsbewusst mit dem Teilen von Kinderinhalten in sozialen Medien umgehen. Hier sind einige wichtige Tipps, um sicherzustellen, dass das Sharenting die Privatsphäre und Sicherheit der Familie respektiert:

1. Überlegungen zur Privatsphäre und Sicherheit

  • Denkt sorgfältig darüber nach, welche Informationen ihr über eure Kinder in sozialen Medien teilen möchtet. Vermeidet die Veröffentlichung sensibler persönlicher Daten wie Geburtsdaten, Wohnorte oder Schulen.
  • Seid euch bewusst, dass auch vermeintlich harmlose Informationen wie der Name des Kindes oder der Standort auf einem Foto potenzielle Risiken bergen können.

2. Einverständnis einholen

  • Holt euch die Zustimmung eures Kindes ein, bevor ihr Inhalte in sozialen Medien teilt. Selbst kleine Kinder können ein gewisses Maß an Kontrolle darüber haben, welche Fotos oder Informationen über sie veröffentlicht werden.
  • Erklärt eurem Kind, warum ihr bestimmte Inhalte teilen möchtet und respektiert seine Wünsche, wenn es nicht möchte, dass bestimmte Fotos oder Informationen online geteilt werden.

3. Grenzen setzen

  • Legt klare Richtlinien und Grenzen für das Teilen von Kinderinhalten in sozialen Medien fest. Bestimmt vorab, welche Arten von Fotos oder Informationen für die Öffentlichkeit geeignet sind und welche besser privat bleiben sollten.
  • Kommuniziert diese Richtlinien deutlich mit anderen Familienmitgliedern und Freund*innen, die möglicherweise Inhalte über eure Kinder teilen möchten, und bittet sie, die Grenzen zu respektieren.
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© sarandy westfall (Unsplash)

Indem ihr als Eltern diese Tipps befolgt und verantwortungsbewusst mit dem Sharenting umgeht, könnt ihr sicherstellen, dass das Teilen von Kinderinhalten in sozialen Medien eine positive und sichere Erfahrung bleibt. Es ist wichtig, die Privatsphäre und Sicherheit der Familie zu schützen und gleichzeitig die Freude am Teilen von besonderen Momenten im Familienleben zu bewahren.

Alternativen zum öffentlichen Sharenting

Während das Teilen von Kinderinhalten in sozialen Medien eine beliebte und gängige Praxis ist, gibt es auch alternative Wege, um Erinnerungen zu bewahren und mit anderen zu teilen, ohne die Risiken des öffentlichen Sharenting einzugehen. Hier sind zwei alternative Ansätze, die Mütter und Väter in Betracht ziehen können:

1. Private Kommunikationswege

  • Anstatt Fotos und Updates über öffentliche soziale Medien zu teilen, können Eltern geschlossene Gruppen oder private Nachrichtendienste nutzen, um Inhalte mit ausgewählten Familienmitgliedern und engen Freunden zu teilen.
  • Plattformen wie WhatsApp, Telegram oder Facebook-Gruppen bieten die Möglichkeit, Fotos und Nachrichten sicher und privat mit einer begrenzten Gruppe von Personen zu teilen, ohne sie der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

2. Offline-Alternativen

  • Traditionelle Fotoalben oder persönliche Tagebücher sind eine klassische Alternative zum öffentlichen Sharenting. Eltern können physische Fotoalben erstellen, um Erinnerungen an besondere Momente im Leben ihrer Kinder zu bewahren, Eindrücke zu archivieren und sie in der Familie zu teilen.
  • Persönliche Tagebücher oder Notizbücher bieten ebenfalls eine private Möglichkeit, Erinnerungen festzuhalten und Gedanken über die Entwicklung der Kinder zu reflektieren, ohne sie online zu teilen.

Indem Eltern alternative Wege zum Teilen von Kinderinhalten in Betracht ziehen, können sie die Privatsphäre und Sicherheit ihrer Familie besser schützen und gleichzeitig die Freude am Teilen von Erinnerungen bewahren.

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© Laura Fuhrman (Unsplash)

Fazit

Es ist wichtig, dass Eltern sich der potenziellen Auswirkungen des Sharenting bewusst sind und verantwortungsbewusst mit allen persönlichen Inhalten und Informationen umgehen, um die Privatsphäre und Sicherheit ihrer Familie zu schützen. Indem Eltern sich mit den Möglichkeiten und Risiken befassen und einen ausgewogenen Ansatz beim Sharenting verfolgen, können sie sicherstellen, dass das Teilen von Kinderinhalten in sozialen Medien eine positive und sichere Erfahrung bleibt. Es ist wichtig, die Privatsphäre und Sicherheit der Familie zu schützen, während gleichzeitig die Freude am Teilen von besonderen Momenten im Familienleben erhalten bleibt.

Kai Bösel
Kai Bösel
Kai Bösel ist Patchwork-Dad von drei Kindern, die eigene Tochter Mika ist im April 2012 geboren. Der Hamburger ist Online-Publisher und betreibt neben Daddylicious auch das "NOT TOO OLD magazin" inklusive Podcast. Außerdem schreibt er für ein paar Zeitschriften und Magazine und hilft Kunden und Agenturen als Freelance Consultant. Nach dem Job entspannt er beim Laufen oder Golf.

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