Aktuell verzeichnet Berlin eine große Welle von Masernerkrankungen. Seit Oktober 2014 sind schon mehr als 370 Fälle aus allen Berliner Bezirken übermittelt worden (Stand: 28. Januar 2015), berichtet das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales im Epidemiologischen Bulletin 5/2015. Der Ausbruch hält immer noch an. Die Bundesrepublik hat sich bei der Weltgesundheitsorganisation verpflichtet, die hochansteckende Infektionskrankheit bis 2015 auszurotten. Ziel verfehlt. Doch woran liegt es?

Die Forderung seitens der Medizin ist klar: Ärzte fordern einen besseren Impfschutz. „Masern sind hochansteckend und schlimmstenfalls tödlich“, warnt der Präsident der Ärztekammer in Westfalen-Lippe, Theodor Windhorst. Er kritisiert die Impfmüdigkeit und ruft dazu auf, Impf-Lücken bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu schließen. Masern zählen zu den Viruserkrankungen. Übertragen wird der Virus durch Tröpfchen – also bei engem Kontakt mit Infizierten. Es reicht meist aus, sich in einem Raum mit einem Menschen aufzuhalten, der das hochansteckende Virus in sich trägt.

Vor allen in Entwicklungsländern sind Masern weiterhin ein großes Problem. In Deutschland ist die Zahl der Ausbrüche zwar deutlich zurückgegangen. Seit den 1960er Jahren gibt es eine günstige und effiziente Impfung gegen den Erreger. Doch kommt es wiederholt zu regionalen Epidemien, wie jetzt aktuell in Berlin. Die Impfquoten bei Schulanfängern im Jahr 2012 sind im aktuellen Epidemiologischen Bulletin veröffentlicht (Ausgabe 16/2014). Sie liegen für die erste Masernimpfung bundesweit bei 96,7 % und erstmals in allen Bundesländern über 95 %. Für die entscheidende zweite Masernimpfung wird die Quote von 95 % allerdings nur in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg erreicht. Der Bundesdurchschnitt für die zweite Masernimpfung beträgt 92,4 %. Eine Impfquote von 95 % für beide Impfungen ist erforderlich, damit sich ein eingeschlepptes Masernvirus nicht verbreiten kann. Diese Quote ist auch ein Zielwert der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Rahmen der in der WHO-Region Europa für 2015 angestrebten Elimination der Masern und der Röteln.

Die Frage lautet zwangsläufig: Warum wir die diese Quote nicht erreicht? Aktuell gibt es in Deutschland keine Impfpflicht in Schulen und Kindergärten. Der Bundesverband der Kinder- und Augenärzte e. V. fordert diese Impfpflicht: Impfungen sind die einzig wirksame und sichere Möglichkeit der Verhinderung von Infektionskrankheiten. Doch seit einigen Jahren mehrt sich die Zahl der Impfgegner bzw. der Eltern, die ihre Kinder aus Angst gar nicht oder nur gegen bestimmte Krankheiten impfen lassen. „Diese Angst ist unbegründet. Denn Impfschäden sind sehr viel seltener als die Komplikationen durch die Erkrankung selbst“, erklärt Dr. med. Gunhild Kilian-Kornell, Pressesprecherin des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Beispielsweise entwickelt jeder 20. kleine Masern-Patient eine Lungenentzündung, eine lebensgefährliche Hirnentzündung (Enzephalitis) tritt bei einem von 2.000 Masern-Fällen auf. Der Nutzen von den empfohlenen Kinderimpfungen ist unumstritten, und die Impfstoffe sind sehr gut verträglich.

In Deutschland gibt es keine Impfpflicht, sondern nur freiwillige Impfungen auf Basis der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Empfohlen werden standardmäßig allen Säuglingen Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus (Wundstarrkrampf), Kinderlähmung (Poliomyelitis), Keuchhusten (Pertussis), Hepatitis B, Haemophilus influenzae Typ b (Hib), Masern, Mumps und Röteln.

Die Gegner der Impfpflicht argumentieren immer wieder mit den Nebenwirkungen, die mittlerweile verschwindend gering sind und in ihrem Ausmaß in keinem Vergleich zur Erkrankung selbst stehen. Anette Siedler, amtierende Leiterin des Fachbereichs Impfprävention am Robert-Koch-Institut erläutert in einem aktuellen Focus-Artikel: „Masern sollte man auf keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen, weder bei Erwachsenen, noch bei Kindern“. Erwachsene erkrankten in der Regel sogar schwerer. „Wer das einmal hat, wünscht sich oft, er hätte sich impfen lassen.“

Die Expertin spricht sich gegen einen Zwang durch den Gesetzgeber aus und setzt auf Aufklärung und Verantwortungsbewusstsein der Erwachsenen, auch für den Nachwuchs für eine entsprechende Prävention zu sorgen. Alle Information zu den Vorteilen und eventuell verbundenen Risiken erhalten Eltern beim zuständigen Kinderarzt. Berlin zeigt, dass diese Krankheit nicht auf die leichte Schulter genommen werden darf.

Kleiner Tipp für Unentschlossene Eltern: Googlet mal „Masern“ und schaut Euch die Bilder an.

Fotocredit: ©Dan Race – Fotolia.com

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Detail-Infos!

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen