Ein Beitrag von Ingo Unger, Experte für Information Security Management Systeme (ISMS) bei DQS
Vernetzte Geräte und Gadgets gehören längst ganz selbstverständlich zu unserem Alltag. Sogar im Kinderzimmer halten die Daten sammelnden Technik-Spielzeuge mehr und mehr Einzug. Wie gut sich diese etwa gegen Hackerangriffe absichern lassen, ist beim Kauf kaum zu erkennen. Jeder kann selbst nützliche Einstellungen vornehmen oder schon vor dem Kauf auf wichtige Hinweise achten. Welche das sind und wie die EU die Hersteller solcher Geräte künftig stärker in die Pflicht nimmt, zeigt der folgende Überblick.
Moderne technische Gadgets sind kleine, oft beeindruckend leistungsfähige Computer. Ein alltägliches Beispiel macht das deutlich: Mit einer Smartwatch, die auch schon Kinder und Jugendliche tragen, kann man telefonieren, Sprachnachrichten schicken, Fitness-Daten erfassen, den Standort per GPS teilen und vieles mehr. Nur ein Teil der erfassten Daten wird in der Uhr selbst gespeichert, meist landet der größere Teil in der Cloud des Herstellers oder auf den Servern des Anbieters der dazugehörigen App.
Die Funktionen und die Daten-Sammelleidenschaft vernetzter Geräte führen zu Risiken aus zwei Perspektiven. Zum einen stellt sich die Frage, was Hersteller und App-Anbieter mit den Daten machen (können). Manche Informationen sind funktional notwendig, etwa um Anrufe zu vermitteln oder Fitness-Statistiken zu erstellen. Nicht selten aber verstecken sich erweiterte Rechte für die Verwendung in langen AGBs, wie z. B. die Nutzung der Daten für die Verbesserung des Produkts oder die kommerzielle Weitergabe an Werbeanbieter.
Zum anderen können sich technische Risiken ergeben und das Gerät zum Einfallstor für Hacker machen. Schlecht programmierte Schnittstellen, für die keine Sicherheitsupdates vorgesehen sind, oder unverschlüsselte Datenübertragungen werden von Verbraucherschützern immer wieder angemahnt. Beides ist besonders brisant, wenn es sich um Spielzeuge handelt und Daten von Kindern betroffen sind.

Praktische Tipps, wie Kunden selbst vernetzte Geräte sicherer machen können
Es gibt zahlreiche Einstellungen, die jeder selbst an Smartwatches, Smart Speakern, Babyphones mit Kamera oder anderen vernetzten Geräten überprüfen und anpassen kann. So werden die meisten Produkte dieser Art mit nur minimalen Sicherheitseinstellungen ausgeliefert. Dazu gehören beispielsweise schwache Standard-Passwörter und umfassende Zugriffsberechtigungen auf Daten. Über ein Menü lassen sich meist unkompliziert neue, starke Passwörter vergeben und eine Zwei-Faktor-Authentifizierung einschalten.
Dabei empfiehlt es sich, kritisch zu hinterfragen, welche Funktionen am Gerät tatsächlich gebraucht werden, denn je weniger Daten erfasst werden, umso besser. Vielleicht ist es gar nicht notwendig, dass die Kinder-Smartwatch pausenlos ortbar ist oder das Babyphone Videoaufnahmen dauerhaft speichert.
Viele Gadgets nutzen das heimische WLAN, um Daten in die zugehörige Cloud zu schicken oder sich Zugang zum Internet zu verschaffen. Auch wenn der eigene WLAN-Router regelmäßige aktuelle Sicherheitsupdates erhält, können weniger geschützte Geräte zu Schwachstellen werden. Es ist deshalb sinnvoll, ein Gäste-WLAN für Smart-Home-Produkte und internetfähige Spielzeuge einzurichten. Fast jeder moderne Router bietet ein Gastnetzwerk als eigene Funktion an, die nur aktiviert werden muss. Mit eigenen Zugriffsdaten und der Option “Isolation vom Hauptnetz” entsteht ein getrenntes WLAN. Sollte dieses kompromittiert werden, sind wenigstens die Hauptgeräte, wie Smartphones und Laptops, nicht betroffen.

Vor dem Kauf: CE-Zeichen und andere Hinweise
Schon bevor das neue Gerät im Warenkorb landet, lässt sich einiges über dessen Sicherheit herausfinden. So sollten Informationen zum Hersteller, dem Datenschutz und der Datenspeicherung einfach herauszufinden sein, mindestens auf den Webseiten der Anbieter. Dazu zählt auch, ob und wie lange der Hersteller Sicherheitsupdates anbieten wird und wo Schwachstellen gemeldet werden können. Fehlt diese Transparenz, ist Zurückhaltung angebracht.
Eine gute Orientierung bietet das CE-Zeichen (Conformité Européenne, europäische Konformität). Es ist zwar kein klassisches Prüfsiegel, aber der Hersteller erklärt damit rechtlich bindend, dass sein Produkt alle dafür relevanten EU-Richtlinien erfüllt und er die Verantwortung dafür übernimmt. In Europa ist die CE-Kennzeichnung Pflicht. Fehlt sie, darf das Gerät nicht legal verkauft werden, was oft auf Billigware oder dubiose Importpraktiken hinweist. Um das CE-Zeichen tragen zu können, müssen vernetzte Geräte zum Beispiel die Funkrichtlinie der EU einhalten, die u.a. eine wirksame Verschlüsselung, Schutz vor unbefugtem Zugriff und datenschutzfreundliche Voreinstellungen vorschreibt.
Hersteller bald stärker in der Pflicht dank Cyber Resilience Act
Die EU will Kunden künftig noch stärker unterstützen und die Hersteller dazu verpflichten, Cybersicherheit in ihren Produkten ganzheitlich umzusetzen. Mit dem Cyber Resilience Act (CRA) werden nun neue Anforderungen Pflicht. Danach müssen Hersteller entsprechende Maßnahmen bereits bei der Entwicklung mitdenken und Sicherheitslücken während des gesamten Produktlebenszyklus zielgerichtet beheben. Dazu gehören regelmäßige Sicherheitsupdates für den zu erwartenden Nutzungszeitraum ebenso wie sichere Grundeinstellungen, mehrstufige Authentifizierungsverfahren und die verschlüsselte Datenübertragung.

Für die Hersteller kommt die EU-Verordnung übrigens nicht überraschend. Sie trat bereits 2024 in Kraft und bot Übergangsfristen sowie Zeit für die Umsetzung. Seit September 2026 gilt eine Meldepflicht für aktiv ausgenutzte und schwerwiegende Sicherheitslücken. Ab Dezember 2027 sind dann auch die weiteren Anforderungen des CRA verbindlich und werden in das CE-Zeichen einfließen. Wer dann seine Produkte mit dem CE-Siegel kennzeichnet, muss Cybersicherheit nach CRA gewährleisten.
Für die Verbraucher sind die EU-Vorgaben ein Gewinn, sorgen sie doch dafür, dass Sicherheit weniger zufällig umgesetzt wird, sondern fest zum Produkt gehört. Mehr Kontrolle über die eigenen Daten und eine geringere Angriffsfläche für Cyberkriminelle sind wichtig, wenn smarte Geräte und sogar vernetzte Spielzeuge zum Alltag gehören.









