Elternzeit – für die Familie ist das eine ganz besondere Zeit. Mama und Papa nehmen sich ganz bewusst eine Auszeit und fokussieren ihre Energie auf den Nachwuchs. Gerade in dieser Zeit tun sich meist zwei Welten auf. Denn Frauen und Männer stellen sich ganz unterschiedlich dieser neuen Lebenserfahrung. Letze Woche hatten wir die Bloggerin Sarah zu Gast, die ihre Sicht der Dinge auch in Bezug auf den Vater und Ehemann geschildert hat. Und da eine Betrachtung der Dinge aus einer Sicht gänzlich unvollständig ist, baten wir Sarahs Ehemann um seine Erfahrungen. Stefan hat nun seinen Teil der Geschichte beigetragen und er befasst sich mit der Frage, für wen diese Elternzeit eigentlich genau ist. Und er hat die passende Antwort:

Elternzeit, die Zweite: Für wen ist die eigentlich?

Es war also wieder Elternzeit, das zweite Mal. Da hätte ich ja wissen müssen, was auf mich zukommt, ne? Denkste, weit gefehlt, is nich. Alles anders beim zweiten Mal.

Kurzer Rückblick auf die erste Elternzeit: Drei Monate lang, die Tochter war damals schon 11-13 Monate alt. Im ersten Monat ein ausgiebiger gemeinsamer Urlaub in Frankreich, danach übernahm ich tatsächlich so richtig das Ruder, da meine Frau wieder in den Job eingestiegen ist. Die Kleine war sehr unkompliziert, entspannt, durchschlafend. Alles ganz wunderbar und bis dato die besten drei Monate überhaupt. Jeden Tag spielen! Toll! Selbst die KiTa-Eingewöhnung am Ende der Elternzeit lief dann noch wie geschmiert.

Elternzeit #2 startete da doch mit anderen Rahmenbedingungen: Diesmal ist es nur ein einziger Monat und dazu noch gleich der erste nach der Geburt. Mit einem Baby, das ungefähr soviel kann und macht wie ich in den letzten Zügen meines Junggesellenabschieds. Mit einer Mama, die gerade in Galaxien vorgedrungen ist, die nie ein Mann zuvor und danach gesehen haben wird. Mit einer (kleinen) großen Schwester, die mutmaßlich um ihren Prinzessinnenthron bangen (und vielleicht auch kämpfen) wird!

Und so stellt sich dann auch schnell die Frage: Für wen ist die Elternzeit der Väter eigentlich gedacht? Für die Mütter im Wochenbett? Für die neugeborenen Kinder? Oder die älteren Geschwister? Oder vielleicht doch für die Väter? Die Antwort war in der ersten Elternzeit für mich selbst sehr viel einfacher zu finden: Die Elternzeit ist ein grandioses Geschenk für Vater und Kind. Ich bin absolut überzeugt davon, dass diese drei Monate bis heute noch für die Beziehung, die Nähe, die Vertrautheit zu meiner Kleinen nachwirken. Wir haben uns da so richtig kennengelernt und sind seitdem sozusagen die besten Freunde.

Im zweiten Turn, knapp zwei Jahre später, ist die Antwort nicht so leicht zu finden. Es ist ein schmaler Grat, ein Balanceakt, die geschenkte Zeit sinnvoll und effizient auf alle um einen herum aufkommenden Bedürfnisse aufzuteilen. Mehr als einmal habe ich mich selbst als „Nummer 4 der Thronfolge“ bezeichnet, wenn alle um mich herum mal wieder irgendwas wollten, das JETZT! SOFORT! gerade SUPERWICHTIG! war. Die Frau braucht natürlich gerade in den ersten Tagen jegliche Unterstützung, sowohl für die körperliche Erholung als auch emotional. Das Baby wartet auch nicht geduldig in der Warteschlange bis es dran ist, wenn der Bauch zwickt, die Windel juckt, der Magen grummelt. Die Kleine erwartet sowieso die gleichen Reaktionszeiten wie eh und je, und das heißt: sofort – klar!

Was bleibt dann eigentlich noch für den Vater? Früher war es ja easy: Vattern geht malochen, Muttern macht die Kinder. Feddich. Der Mann von heute soll natürlich immer noch Karriere machen und für die wirtschaftliche Stabilität der Family sorgen. Daneben der romantische, einfühlsame Prinz auf dem weißen Roß sein, der seine Angebeteten auf Händen trägt – jeden Tag. Trotzdem ein männlich-lässiger Typ sein, der den regelmäßigen Vergleichen mit Brad Pitt und/oder George Clooney problemlos standhält. Und dazu natürlich auch den Haushalt mindestens zu 50 Prozent mitmacht und gleichberechtigt die Kinder erzieht und betreut. Uff. Auf die Stellenausschreibung bewirbt sich noch jemand?

Aber genau das ist dann doch das Schöne und Besondere an der Elternzeit: Vieles geht plötzlich! Viel mehr als sonst. Und ich war in jedem Augenblick selbst voller Freude, in dem ich für die anderen einfach nur da sein konnte: Beim wilden Trampolinspringen mit der großen Kleinen. Beim Bauchmassieren des kleinen Kleinen. Beim Frühstück im Bett mit der Frau. Beim täglichen 10-minütigen Bagger-Gucken-Stopp an der Baustelle auf dem Weg zum Kindergarten. Beim mit dem schlafenden Baby auf dem Bauch auf dem Sofa liegen. Beim spätabendlichen Gang zur Tankstelle auf der Jagd nach dringend benötigten Eisrationen.

Und am Ende ist die Antwort auf die Frage, für wen die Elternzeit des Vaters da ist, doch leicht zu beantworten: Für alle! Und die eigentliche Herausforderung kommt vermutlich erst jetzt: Wie funktioniert der Familien(all)tag, wenn Papa nicht zu Hause ist? Zumindest beginnt dann auch schon die Vorfreude auf die nächsten Urlaube und vor allem den zweiten Teil der Elternzeit im nächsten Jahr…

Wir von DADDYlicious bedanken uns wirklich ganz herzlich bei Euch beiden für die offenen Worte und wünschen Euch und Eurer Familie nur das Beste!

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