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Buchtipp: „Wir schlechten guten Väter“

Ich glaube, Autor Tobias Moorstedt sucht Streit. Denn eigentlich halte ich mich für einen modernen, engagierten Vater, der sich intensiv einbringt, sich die Erziehung teilt und zuhause mit anpackt. Und dann kommt Tobias mit seinem Buch „Wir schlechten guten Väter“ um die Ecke und seziert die Vater-Mutter-Eltern-Geschichte sehr wissenschaftlich fundiert und leicht verständlich aufbereitet. Und zeigt damit, dass die ganze Entwicklung zur Gleichberechtigung nur in Mäuseschritten vorankommt und eigentlich jeder Vater noch eine ordentliche Meile zu gehen hat. Die einen sicher mehr als die anderen. Daher können alle von dem Buch profitieren, welches wir heute vorstellen.

Und was mich besonders freut: bei seiner Recherche ist Tobias auf unser Vätermagazin Daddylicious aufmerksam geworden und hat uns nicht nur als Surftipp am Ende des Buches aufgelistet, sondern auch an einigen Stellen in „Wir schlechten guten Väter“ Zitate aus einem Interview eingebaut, welches wir während seiner Schreibtätigkeit geführt haben. Lieben Dank dafür!

Kai von Daddylicious ist mit Zitaten in Wir schlechten guten Väter integriert

Bei der Bestandsaufnahme von Tobias Moorstedt in „Wir schlechten guten Väter“ schneiden wir Papas eher schlecht ab. Denn anders als im Job erledigen die Väter im Haushalt nicht unbedingt die komplexeren Aufgaben und reden sich gern noch mit „Ich weiss aber nicht, wie die Waschmaschine funktioniert“ heraus, während sie im Büro in 12 Minuten ein komplettes Netzwerk installieren. Grillen und Auto waschen ist selbstredend Männersache, Fenster putzen oder Geschenke zum Kindergeburtstag kaufen aber in fast 100 Prozent der Familien noch Sache der Mutter.

Viele werdende Väter halten es für einen Fakt, dass den Müttern mehr Fähigkeiten in Sachen Kindererziehung im Blut liegen. Tobias erklärt das am Beispiel der Kinderkleidung. Mütter kennen die Größen und den Geschmack ihrer Kinder. Sie wissen, wann neue Schuhe gekauft werden müssen, welche Ausstattung im Winter und Sommer im Schrank hängen sollte und welches Equipment von älteren Geschwistern übernommen werden kann. Bei Vätern scheitert der Einkauf oft schon an dem Basiswissen zur Kleidergröße. Es ist ja gar nichts gegen eine Arbeitsteilung einzuwenden, nicht jedes Elternteil muss mit Begeisterung alle Aufgaben des anderen Parts ausführen. Das sich aber beide intensiv einbringen, wäre wünschenswert. Leider sprechen Zahlen eine andere Sprache.

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Tatsächlich kenne ich in meinem persönlichen Umfeld einige Typen, die es immer noch total unmännlich finden, seinen Job zu reduzieren, um mehr Zeit für die Kinder und die Familie zu haben oder sich Aufgaben im Haushalt zu teilen. Der Weg zu mehr Gleichberechtigung startet im Kopf jedes einzelnen Menschen und da kann „Wir schlechten guten Väter“ auf jeden Fall zu etwas mehr Transparenz sorgen und Denkanstöße liefern. Die Zeiten, das wir Kerle das Mammut jagen, während die Mama sich in der sicheren Höhle um den Nachwuchs kümmert, sind vorbei. Woher kommt also dieses Grundgefühl, für Kinderarztbesuche und die Weihnachtsgeschenke nicht zuständig zu sein?

Laut Tobias ist aber auch gar nicht alles schlecht. Väter-Workshops, die noch vor 20 Jahren kaum Teilnehmer lockten, sind heute ausgebucht. Die Bereitschaft der Männer steigt, sich intensiv auf die bevorstehende Vaterrolle vorzubereiten. Und dazu gehört eben nicht nur das Vorlesen von Kinderbüchern zum Einschlafen, sondern auch eine Beteiligung im Haushalt. Für eine erste Bestandsaufnahme gibt es hier einen Mentalload-Test, den ihr und eure bessere Hälfte gern einmal getrennt voneinander ausfüllen und dann vergleichen könnt.

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Autor Tobias Moorstedt // Wir schlechten guten Väter

Der Autor Tobias Moorstedt nimmt sich von der Kritik aber gar nicht aus und erklärt, warum er selbst als selbstständiger Wissensarbeiter auch noch viel Verbesserungspotenzial mitbringt. Somit ist „Wir schlechten guten Väter“ erfrischend zu lesen, weil es kein Ratgeber mit erhobenen Zeigefinger hin zum besseren Vater ist, sondern eine persönlich und trotzdem wissenschaftlich sehr fundierte Auseinandersetzung mit der Rolle der Väter. Das Buch haut dem Leser keine platten Schenkelklopfer-Stories zum Unterschied von Müttern und Vätern um die Ohren, sondern zeigt sehr detailliert und nachvollziehbar auf, wo noch Sand im Getriebe steckt. Somit ist das Buch für werdende Eltern aber auch für Mamas und Papas unbedingt empfehlenswert. Es ist nie zu später, noch etwas zu ändern.

Angeblich möchte sich eine knappe Mehrheit der Väter gleichberechtigt um die Kinder kümmern, parallel dazu wird die Vollzeitbeschäftigung noch immer als das beste Arbeitsmodell bewertet. Das passt nicht zusammen. Auf der anderen Seite bekommen Väter oft schon Applaus dafür, wenn sie Brotdosen bestücken oder Playdates verabreden. Und nicht zuletzt hat die Pandemie dafür gesorgt, dass es in Sachen Aufteilung der Kinderbetreuung beim Homeschooling oder im Falle einer Krankheit wieder zu einer Mama-Sache wurde, die Kinder zu beaufsichtigen.

Fazit „Wir schlechten guten Väter“

Das Lesen des Buches allein macht noch keinen besseren Vater aus euch. Wenn ihr aber bereit seid, etwas an eurem Verhalten zu ändern, dann solltet ihr das Buch unbedingt lesen. Tobias Moorstedt geht mit „Wir schlechten guten Väter“ dahin, wo es wehtut. Er hält uns einen Spiegel vor und erklärt, warum sich Männer oft noch erfolgreich gegen die Familienarbeit wehren. Er gibt uns Möglichkeiten an die Hand, unsere aktuelle Performance zu messen und zu vergleichen. Und dann zeigt er auch gleich auf, wie es anders und besser geht. Forza!

Details

  • Titel: Wir schlechten guten Väter
  • Autor: Tobias Moorstedt
  • Herausgeber: ‎ DuMont Buchverlag
  • Veröffentlicht: 12. April 2022
  • Sprache: ‎Deutsch
  • Umfang: ‎224 Seiten
Kai Bösel
Kai Bösel
Kai Bösel ist Patchwork-Dad von drei Kindern, die eigene Tochter Mika ist im April 2012 geboren. Der Hamburger ist Online-Publisher und betreibt neben Daddylicious auch das "NOT TOO OLD magazin" inklusive Podcast. Außerdem schreibt er für ein paar Zeitschriften und Magazine und hilft Kunden und Agenturen als Freelance Consultant. Nach dem Job entspannt er beim Laufen oder Golf.

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