In unserer Interview-Reihe stellen wir immer wieder spannende Daddys vor. Und heute haben wir ein im wahrsten Sinne des Wortes exotisches Exemplar für Euch am Start. Denn unser heutiger Interviewpartner ist auf Reise. Mit der ganzen Familie. Immer und immer wieder. Wie das geht und warum er das tut, erfahrt ihr jetzt.

Hier sind 10 Antworten von THOMAS ALBOTH:

1. Du bist Weltenbummler und packst Deine Familie regelmäßig ein, um lange Touren zu unternehmen. Was habt Ihr alles schon angestellt, wo seid Ihr jetzt gerade und welche Länder habt ihr für die Zukunft noch in Planung?
Gerade sitze ich tippend auf dem Balkon eines kleinen Internetcafes mit Blick auf Palmen und einer verschlafenen Buch in der Südsee im Königreich Tonga. Hier kommen nur im Sommer die Buckelwale, ein paar Weltumsegler und wenn man Glück hat jede Woche mal eine Schiff von der Hauptinsel vorbei. Wir sind in der Mitte der Südsee, auf der anderen Seite des Globus, gut drei Flug- und 24 Bootsstunden nördlich von Neuseeland.
Wir sind auf einer 4-monatigen Südpazifik-Reise mit Inselstops in Neuseeland, Tonga, Fidschi und Vanuatu.

The Family without Borders

Angefangen mit den großen Reisen haben wir als Elternzeitreisende, als unsere erste Tochter Hanna gerade acht Monate alt wurde. Mit Opas klapprigem Renault Espace sind wir für sechs Monate durch ganz Osteuropa über die Krim ums Schwarze Meer gefahren mit einem kleinen Abstecher durch den Kaukasus bis ans Kaspische Meer. Zurück ging es dann durch Anatolien und den Balkan, bis das Auto in Serbien endgültig den Geist aufgab.
Für uns war es die beste Zeit unseres Lebens und die Kleine war ebenso glücklich mit uns. Als unsere zweite Tochter alle Impfungen hinter sich hatte ging es auf eine Zentralamerika-Reise: Auto kaufen in Mexico und runter bis nach Panama – das war der Plan. Wir haben dann zwar nur Mexico, Guatemala, Belize und Honduras gesehen, aber es war trotzdem wunderbar.
Wenn wir jetzt wieder zurück kommen werden wir wohl erstmal ein paar kleine Trips unternehmen. Danach reizt uns Afrika.

Thomas Alboth mit Kind
2. So eine Tour ist sicherlich eine kostspielige Angelegenheit. Und während Ihr reist, kommt ja kein Geld rein. Wie finanziert Ihr Eure Trips?
Solange man auf Elternzeit-Reise ist, kommt durchaus Geld rein: 70 Prozent des letzten Einkommens können zum Leben und Reisen in preiswerten Ländern locker reichen. Zu Hause muss man die laufenden Kosten loswerden: Krankenversicherung abmelden, Wohnung untervermieten. Nach der Zentralamerika-Reise hatten wir dank Elterngeld mehr Kohle auf dem Konto als vor der Abreise. Dafür haben wir dafür auch fast nur im Auto oder bei Leuten geschlafen, das Essen auf dem Markt gekauft, selber gekocht und auf jeglichen Luxus (Hotels, Cluburlaub, Funsportarten, gute Restaurants) verzichtet.
Für die jetzige Reise haben wir gespart, preiswert gelebt, kein Auto oder Häuschen gekauft. Die Reisen sind unser Luxus.

3. In fremden Ländern begegnet Ihr anderen Tieren, anderen Lebensmitteln, anderen Kulturen und auch anderen gesundheitlichen Bedingungen. Machst Du Dir mehr Sorgen um die Gesundheit Deiner Kids als Zuhause und wie sorgt Ihr vor?
Thomas Alboth Neuseeland
Ich muss zugeben, vor der ersten Reise habe ich mir noch Sorgen um solche Dinge gemacht: Was wenn die Babybreichen und die Babymilch alle und die guten Windeln aufgebraucht sind? Irgendwann kapierst Du, dass es fast überall Kinder uns sorgenvolle Eltern und auch solche mit Geld gibt. Man kann so’n Zeug überall kaufen – selbst hier auf der Insel mitten im Pazifik und auch im hintersten kaukasischem Gebirgsdorf.
Ansonsten reden wir mit den Leuten, fragen immer, welches Wasser (Regen, Brunnen, selten Leitung) trinkbar ist, was man essen kann und gehen es anfangs vorsichtig an. Hanna ist vier Jahre alt, war mit uns in über 30 Ländern, hat fast alles mitgegessen und war nicht öfter krank als zu Hause auch. Zum Arzt mussten wir nur wegen der üblichen Kinderkrankheiten: hartnäckige Erkältungen, Fieber. Respekt haben wir tatsächlich vor Malaria oder Denguefieber. Da muss man vorsichtig sein.

Vorsorgen? Die ganze Kleinkindimpf(tor)tour hatten wir immer hinter uns. Mehr kann man bei den ganz Kleinen ohnehin nicht machen. Wenn sie älter werden, geht man vorher zum Tropenarzt und wenn man Glück hat, hat er von dem Land in das du reist schon mal was gehört. Bei unserem war das diesmal leider nicht der Fall. Diese teuren Reiseimpfungen zahlen sogar manche Krankenkassen, haben wir dieses Jahr überglücklich herausgefunden.

The Family without Borders in Tonga

4. Denkst Du, dass Ihr durch die gemeinsamen Touren intensiver als Familie zusammen seid als „normale“ Familien? Oder macht Ihr unterwegs auch mal jeder Euer eigenes Ding?
Oh ja. Ich glaube absolut, dass diese Reisen für unsere Familienleben das Beste sind, was wir tun können. Nach der Geburt verschwinden die meisten Männer hinter ihren Schreibtischen für die Wohlfahrt der Familie und bedauern, dass sie ihre Kinder zu selten sehen. Die Frauen sitzen derweil zu Hause mit Depressionen. Alle tun was sie können, doch glücklich sind oft beide nicht.
Wir haben den Spieß umgedreht: Wir machen beide das was wir lieben (reisen) zusammen in dieser schwierigen Zeit. Unser „eigenes Ding“ machen wir unterwegs kaum – höchstens wenn ich mal auf einem Surfbrett stehen will oder meine Süße in einem Dorf ein Pferd zum Reiten findet.

5. Deine Kinder sind vier und drei Jahre und werden sich wahrscheinlich später an viele Erlebnisse gar nicht mehr genau erinnern. Was meinst Du, was Eure Reisen bei Ihnen bewirken und wie beeinflusst das ihre Entwicklung?
Ist das wichtig, ob sie sich daran erinnern oder nicht? Wenn nur die Dinge an die sich unsere Kinder erinnern wichtig für ihre Entwicklung wären, könnten wir uns doch das ganze Gestreichel, Gerede, Bilderbuchschauen, Liedersingen, Erziehen, Ermutigen und Strafen doch glatt mal sparen bevor sie ein anständiges Alter erreicht haben.
Thomas Alboth Insel
Will sagen – na klar hat das alles einen Einfluss. Sie sind definitiv unkompliziert („Hier gibt es gar kein warmes Wasser, aber das macht nichts, Papa.“), schlafen überall ein („Ich bin müde. Kann ich schlafen?“ „Klar, leg dich da hin.“), brauchen kein Spielzeug (Papa, die Kinder hier haben gar kein Spielzeug, aber die spielen den ganzen Tag). Sie sind offen für die Welt, weinen nicht, wenn sie ein schwarzer Mann durch den Dschungel trägt, essen oder probieren zumindest alles. Ansonsten fängt unsere große Tochter (4) gerade an, mich auf Englisch anzusprechen („Don’t say SHIT, Daddy“.)
Ansonsten machen wir das nicht für unsere Kinder, sondern nur mit unseren Kindern. Wir machen das, was uns gefällt und nehmen unsere Kleinen dabei mit, solange sie wollen.

6. Was erlebst Du in anderen Ländern in Sachen Kinderfreundlichkeit? Bekommt Ihr unterwegs auch immer Einblicke in die ansässigen Familien?
Auf der Zentralamerika-Reise haben wir fast jede Nacht im Garten irgendeiner Familie geschlafen, weil es uns da sicherer und freundlicher erschien, wo es Frauen und Kinder gibt. Zweitens verstehen sich alle Kinder ohne Sprache, spielen zusammen und so sitzen auch wir mit deren Eltern meist abends in einem Raum, auf einer Matte, an einem Tisch, denn sie sind genauso neugierig wie wir. Wir waren an vielen Orten, wo sie noch nie einen weißen Menschen oder jemanden aus Europa gesehen oder gar angefasst haben. Wir sind fast ständig unter Familien.
Ansonsten ist die Kinderfreundlichkeit fast überall besser als in Deutschland. Doch man merkt die Veränderung schon, wenn man mit einem Kinderwagen in Neukölln vor einer Treppe steht: Kaum ein Türke würde vorbeilaufen ohne seine Hilfe anzubieten. Am Alexanderplatz hingegen kannst Du lange warten.

The Family without Borders beim Camping

Ansonsten ist das Verhalten zu Kindern und die Erziehung in vielen Ländern und Kontinenten sehr verschieden. Die Mayas tragen ihre Kleinen bis sie drei sind und lassen sie keinen Schritt alleine machen. Dafür müssen sie mit fünf Jahren im Hause oder auf dem Feld anfangen zu arbeiten oder sich um eine der 10 Geschwister kümmern, während die Eltern für das Essen sorgen. Hier in Tonga Kinder relativ frei. Sie können kommen und gehen wenn sie wollen, sind den ganzen Tag irgendwo draußen. Auf der kleinen Insel können sie kaum verschwinden. Dafür spielen die Eltern nicht mit ihnen, keiner drückt , liest ein Buch mit ihnen oder oder fragt sie, wie es ihnen geht. Null Interesse. Es ist auch völlig normal, wenn man seine drei Kinder für ein paar Jahre der Schwester überlässt, weil diese keinen Nachwuchs bekommen kann. Das sind nur ein paar Beispiele.

7. Hört Ihr mit den Touren auf, wenn Eure Kinder schulpflichtig werden? Oder hält Euch das nicht auf? Könnt Ihr Euch ein Leben in Deutschland überhaupt noch vorstellen?
Wir lieben unser Leben in Berlin. Es ist die beste Stadt die wir kennen. Wir reisen nicht aus, sind aber neugierig, reiselustig. Wir wollen keinen Urlaub, sondern Reisen, andere Länder fühlen, erleben, aufsaugen und zurück zu Hause kommen, um das alles zu verdauen, zu verstehen und aufzuarbeiten (Anna ist Journalistin, ich auch Fotograf).
Wie wir das mit der Schule machen, wissen wir noch nicht genau. Kann schon sein, dass wir die Kindern mal ein paar Wochen versuchen rauszunehmen. Mal schau’n.

8. Was fehlt Dir unterwegs am meisten? Kumpels? Deutsches Bier? Oder ganz etwas anderes?
Thomas Alboth Boot
Die größte Entbehrung war bisher immer das Essen: Keine Schokolade für paar Wochen, kaum Butter, Wurst, Fleisch, Milch weil wir keinen Kühlschank haben. Seit drei Wochen haben wir zum Frühstück die Wahl zwischen Weißbrot mit Erdnussbutter oder mit Marmelade. Punkt. Butter oder ein Ei werden zum seltenen Luxus. Mit Sehnsucht denken wir an unsere ausgiebigen Berliner Brunches mit Freunden.
Eine warme Dusche kann man auch vermissen lernen. Manchmal gibt es das auch für vierzehn Tage nicht. An das Leben ohne Strom und Internet gewöhne ich mich hingegen erstaunlich gut.

9. Gibt es für Dich so etwas wie das perfekte Land oder den perfekten Ort? Oder ist das Leben eine dauerhafte Reise?
Berlin ist für mich bisher der beste Lebensmittelpunkt den ich mir vorstellen kann. Es gibt viele spannende, wunderschöne, atemberaubende Orte mit wunderbaren, gastfreundlichen Menschen auf dieser Welt. Doch das heißt nicht, dass ich dort dauerhaft leben wollte.
Das Reisen – besonders ein halbes Jahr in Russland – hat mich gelehrt, Deutschland zu lieben und jeder neue Trip hilft mir dabei.

The Family without Borders on tour

10. Welchen Tipp hast Du abschließend an alle werdenden oder frischen Väter?
Höre nicht auf, Deinen Traum zu leben oder ihn zu verfolgen. Wenn Du glücklich bist und Deine Familie mit einbeziehst, machst du alle glücklich. Take it easy, brother!

Die „Familie ohne Grenzen“ führt über ihre Reisen und ihr Leben einen Blog: thefamilywithoutborders.com.

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