Ein kleiner Blick aus dem Autofenster… Wie viele Papas in Deutschland düse auch ich als fleißiger Arbeitnehmer regelmäßig von montags bis freitags zur Arbeit. Im Laufe einer jeden 35-minütigen Autofahrt über die Wald- und Wiesenstrecke bleibt täglich eine Menge Zeit, um im Auto über diverse Dinge nachzudenken. So auch an einem ganz normalen Morgen, an dem ich, warum auch immer, im absoluten Beobachtungsmodus war und alles mir dargebotene aufsaugte, um es anschließend irgendwie auf meine Paparolle zu projizieren.

Wiesen, Felder und Wälder – ein riesiger Abenteuerspielplatz

Aber der Reihe nach, drehen wir die Zeit einfach zurück: Direkt nach der Abfahrt vom trauten Heim, das Ortsausgangsschild noch nicht passiert, blicke ich auf das im Bau befindliche Haus der zukünftigen Fast-Nachbarn. Eine junge Familie mit zwei Kindern soll es sein, munkelt der Dorftratsch. Schön denke ich, dass es auf dem Land noch Bauplätze gibt, die einigermaßen bezahlbar sind. Einer der Gründe, warum es junge Familien auf das Land zieht, wird mir auf den nächsten Kilometern meiner Fahrt schnell klar: Wiesen, Felder und Wälder säumen den Weg, Natur pur, ein riesiger Abenteuerspielplatz für neugierige und abenteuerlustige Kinder. Apropos Abenteuer, einige Meter weiter fällt mir wie immer die große rote Rutsche auf. Über so einen Spielplatz hätte ich mich als Kind damals sicher auch sehr gefreut, Rutsche, Klettergerüst, Sandkasten und Schaukeln – alles am Start.

Der Sportverein als Unterstützung in Sachen Bewegung und Sozialkompetenz

Für die etwas größeren Kinder ist der Spielplatz mittlerweile ziemlich uncool, aber auch für sie wird etwas geboten: nämlich eine Sportanlage. Auf dem Platz wird nachmittags und abends Fußball gespielt, in der benachbarten Halle bietet der ansässige Verein weitere Sportarten wie Handball, Volleyball oder Breitensport an. Feine Sache, der Nachwuchs wird im wahrsten Sinne des Wortes bewegt und er entwickelt darüber hinaus auch die so wichtige und wertvolle Sozialkompetenz. Weiterer positiver Aspekt bei älteren Kindern: Sie hängen für zwei-drei Stunden mal nicht am Handy, vor der Glotze oder dem Computer.

In der nächsten Ortschaft halte ich wie gewohnt am Supermarkt an. Ich habe Glück, der Ofen an der Bäckerei piept, die frischen, warmen Brötchen sind gerade fertig und die Schlange ist auch nicht sehr lang. Läuft bei mir! Die beiden Schulkinder vor mir sind ebenfalls gut drauf, zücken schelmisch grinsend ihr 2,- €-Stück, um im Gegenzug zwei Schokocroissants entgegenzunehmen. Keine Ahnung, ob die Eltern den beiden nichts mitgegeben haben oder frische Backware für die Kids einfach interessanter und leckerer ist. Gut ist auf jeden Fall, dass sich den beiden überhaupt die Möglichkeit bietet, sich irgendwas Leckeres zu organisieren.

Kinder werden mit dem Bus zur Schule gefahren. In vielen anderen Ländern leider undenkbar…

Zurück auf der Straße fallen mir weitere Schüler auf. Viele kleinere von ihnen müssen nicht allein laufen, sondern sind in Gruppen unterwegs, was irgendwie ein Gefühl von Sicherheit vermittelt. Einige ganz kleine I-Dötze gehen dabei im „Walking Bus“, alle tragen kleine Westen bzw. Reflektoren, darüber hinaus wird der Tross von einem Erwachsenem (scheinbar ein Elternteil) begleitet. Auf Höhe des Schulkomplexes herrscht dann eine Menge Trubel, mehrere Busse kommen an und liefern pünktlich die Kinder ab, für die ein Fußweg zum Unterricht zu weit wäre.

Ca. 200 Meter weiter ist nicht viel weniger los, auch hier sind jede Menge Kinder unterwegs, allerdings sind diese noch etwas kleiner. Mamis, Papis oder auch Omas und Opas bringen die Kids in den Kindergarten. Einige Eltern sind dabei so gekleidet, dass sie scheinbar kurz darauf direkt zur Arbeit durchstarten. Eine gute Sache, wenn die Betreuung des Nachwuchses mit den Arbeitszeiten vereinbar ist.

Schnelle Hilfe, wenn der Nachwuchs einmal krank ist…

An der nächsten Ampel stehe ich in der Nähe eines Ärztekomplexes. Einiges los dort, und das schon so früh am Morgen. Ich erkenne, wie eine Mami mit Kind sowie ein paar Sekunden später eine Jugendliche Richtung Eingangstür marschiert. Die Möglichkeit, bei eigener Krankheit oder schwächelnden Kids direkt einen Arzt aufsuchen zu können, hätten übrigens Millionen von Menschen auch gern, dies wird leider oft vergessen, stattdessen beschweren sich einige lieber über lange Wartezeiten. Ach ja, selbstverständlich ist die Apotheke im gleichen Gebäude, so können die Medikamente gleich auf einem Weg mitgenommen werden.

Ausflüge auf dem Fahrradweg – definitiv sicherer, als auf der Straße!

Zwischen den nächsten beiden Orten wird es dann etwas ruhiger, lediglich der Fahrradeweg fällt mir auf, der Ort A so mit Ort B verbindet, dass abseits der Autos auch Radler gefahrlos hin und her düsen können. Diese Möglichkeit ist besonders gut, wenn man, z. B. während eines kleinen Ausfluges, strampelnde Kids dabei hat, die noch nicht ganz so sicher fahren können. Für sie ist der Radweg Gold wert, für die Nerven von Mama und Papa übrigens auch.
Wenig später stehe ich dann auf dem Firmenparkplatz, die Maloche ruft, ab an die Schüppe…

Fazit: Es gab ganz viel Gutes zu sehen!

Rückblickend muss ich sagen, es war eine sehr nette Fahrt, denn beim Abschalten des Motors hatte ich sogar ein kleines Lächeln im Gesicht. Warum? Weil vieles, was ich kurz zuvor gesehen hatte, in meinen Augen einfach gut war. Natürlich ist mir bei meiner Bewertung bewusst: Die oben genannten Situationen sind sicher nicht allein der Maßstab für ein tolles Leben mit Kindern in Deutschland, darüber hinaus hat man in verschiedenen Städten und Regionen vielleicht auch nicht ganz so viel Glück, wie ich es in einer relativ idyllischen Gegend habe. Natürlich ist in der Bundesrepublik nicht immer alles rosarot – selbstverständlich gibt es hierzulande auch noch ganz viel Luft nach oben.

Natürlich könnte es immer besser sein – aber auch deutlich schlechter!

Aber: Vielleicht ist es manchmal auch ein Jammern auf hohem Niveau, ist das Glas nicht manchmal eher halb voll, als halb leer? Fakt ist: Angebote und Institutionen wie die oben genannten, die für uns total selbstverständlich sind, gibt es in anderen Ländern kaum bis gar nicht, denn dort herrschen ganz andere Probleme. Man werfe nur einen Blick in die täglichen Nachrichten aus der Welt, zwei Minuten reichen, um sehr nachdenklich zu werden.

In diesem Sinne: Natürlich könnte es hier immer besser sein – aber auch deutlich schlechter! Ich für meinen Teil bin froh, mit meiner Familie so viele Angebote wahrnehmen zu können/dürfen und fühle mich bestätigt, dass Deutschland im Großen und Ganzen doch ein sehr schönes Plätzchen für Familien und Kinder ist…

Fotocredit: © John Smith – Fotolia.com

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