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„Rasen ist doof!“ – Jetzt gestalten Kinder Deutschlands Autobahnplakate

Kinderzeichnung Geschwindigkeit 1

Wer in den vergangenen Jahren über die Autobahn gefahren ist, kennt die großflächigen Plakate von „Runter vom Gas“. Mal ein weinendes Kind, mal ein zersplittertes Smartphone und mal ein nüchterner und eindringlicher Appell. Die Motive der Kampagne haben für Aufmerksamkeit gesorgt und sich in viele Köpfe gebrannt. Hoffentlich, denn Sicherheit auf unseren Straßen ist ein wichtiges Thema, auch für uns Eltern. Und jetzt schlägt die Aktion ein neues Kapitel auf, welches Familien direkt betrifft.

Hintergrund: Im November 2025 hatte das Bundesministerium für Verkehr (BMV) gemeinsam mit dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) die Öffentlichkeit gefragt, welche der vier häufigsten Unfallursachen auf Autobahnen sie am meisten beschäftigt: Ablenkung, zu geringer Abstand, unangepasste Geschwindigkeit sowie Fahren unter Alkohol- und Drogeneinfluss. Aus den Rückmeldungen entstanden drei sehr unterschiedliche Plakatserien, über die anschließend in einer bundesweiten Online-Abstimmung entschieden wurde.

Zur Wahl standen ausgerechnet die zarteste und die drastischsten Optionen nebeneinander: die Serie „Kinderzeichnungen“ gegen zwei deutlich härtere Entwürfe mit dem Arbeitstitel „Totenillustrationen“ und „Leichensäcke“. Am Ende war das Ergebnis eindeutig. Die Kinderzeichnungen setzten sich klar durch, die drastischeren Motive landeten auf den Plätzen zwei und drei. Bekannt gegeben wurde das Ergebnis am 21. Juni 2026, passenderweise am Tag der offenen Tür der Bundesregierung.

Die Botschaft dahinter ist durchaus bemerkenswert: Offenbar wirken handgezeichnete, emotionale Bilder stärker als der pure Schock. Genau das macht sich die Kampagne nun zunutze und holt die Kinder mit ins Boot.

Die Mitmachaktion: So malt euer Kind ein Autobahnplakat

Mit dem Sieg der Kinderzeichnungen bleibt es nicht bei einem Konzept aus dem Designstudio. Stattdessen startet eine bundesweite Mal-Aktion: Kinder in ganz Deutschland sind eingeladen, eigene Zeichnungen zur Verkehrssicherheit einzureichen. Eine Jury aus BMV und DVR wählt die besten Werke aus, stellt sie in einer Online-Galerie aus. Die herausragenden Motive ersetzen sogar die bislang mit KI gestalteten Platzhalter-Plakate. Aus dem Küchentisch-Kunstwerk kann also ein Bild werden, das Millionen Menschen an der Autobahn sehen.

Gemalt wird zu einer von drei festgelegten Unfallursachen, jeweils mit einem fest vorgegebenen Slogan:

  • Zu geringer Abstand – Slogan: „Abstand halten!“
  • Überhöhte Geschwindigkeit – Slogan: „Rasen ist doof!“
  • Ablenkung am Steuer – Slogan: „Finger vom Handy!“

Das Schöne für eure Kinder: Beim Motiv selbst darf völlig frei drauflosgemalt werden. Wichtig ist nur, dass die gezeichnete Situation eindeutig zu einem der drei Themen passt. Die Slogans müssen die Kinder nicht selbst aufs Bild schreiben, es reicht, wenn das Bild die jeweilige Situation zeigt. Wer eine Inspiration braucht: Zu „Abstand halten!“ können zwei Autos zeichnen, die zu dicht hintereinander fahren; zu „Rasen ist doof!“ ein viel zu schnelles Auto oder einen Aufprall; und zu „Finger vom Handy!“ ein riesiges Smartphone im Auto.

Wie ernst und wie liebevoll der Nachwuchs dieses Thema interpretiert, zeigen schon die Beispielmotive der Kampagne, darunter ein Kinderbild mit der Bitte „Lieber Papa, Rahsen ist doof“ samt ängstlicher Familie auf der Rückbank. Das seht ihr ganz oben in diesem Artikel.

Mitmachen: Das müsst ihr als Eltern wissen

Teilnehmen dürfen alle Kinder bis 14 Jahre. Eingereicht wird vorzugsweise digital, ein hochwertiger Scan oder ein gutes Foto der Zeichnung genügt, geschickt an kontakt@runtervomgas.de. Wie viele Bilder ihr einsendet, bleibt euch überlassen. Wer den klassischen Weg bevorzugt, kann die Zeichnung auch per Post schicken; ideal ist das Format DIN A3. Die Adresse lautet:

Scholz & Friends Berlin GmbH
Litfaß-Platz 1
10178 Berlin
Stichwort: Autobahnplakate 2026.

Zwei Dinge sind Pflicht: Gebt unbedingt Name und Alter des Kindes an, und legt diese Einverständniserklärung der Eltern unterschrieben bei. Veröffentlicht werden persönliche Angaben nämlich nur mit eurer ausdrücklichen Zustimmung.

Der Einsendeschluss ist der 5. Juli 2026 um 18:00 Uhr. Die Gewinnerbilder werden Ende Juli bekannt gegeben, die neuen Plakate sind ab Spätsommer 2026 auf bis zu 700 Flächen entlang deutscher Autobahnen zu sehen.

Warum gerade Kinderperspektiven? Die Idee hinter der Aktion

Dass ausgerechnet Kinderzeichnungen das härteste Verkehrssicherheitsthema überhaupt transportieren sollen, ist kein Zufall, sondern Kalkül. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder ordnet das Abstimmungsergebnis so ein:

„Die ‚Kinderzeichnungen‘ haben die Abstimmung klar gewonnen. Das zeigt, dass der Wunsch nach emotionalen, berührenden Botschaften groß ist. Jetzt gehen wir den nächsten Schritt: Alle Kinder in Deutschland sind eingeladen, ihre eigenen Zeichnungen zur Verkehrssicherheit einzureichen. Diese echten Kinderperspektiven werden Teil der neuen Plakatserie entlang unserer Autobahnen. Damit holen wir die Stimmen der Jüngsten direkt in den öffentlichen Raum – sichtbar und wirksam für mehr Verkehrssicherheit.“ — Patrick Schnieder, Bundesminister für Verkehr

DVR-Präsident Manfred Wirsch betont, warum die scheinbare Leichtigkeit der Bilder gerade ihre Stärke ist:

„Die Kinderzeichnungen wirken auf den ersten Blick leicht und unbeschwert. Gerade darin liegt ihre besondere Stärke: Mit einfachen Bildern erinnern sie an etwas, das im Straßenverkehr niemals selbstverständlich werden darf: Hinter jedem schweren Unfall stehen Menschen – Verletzte, Angehörige und oft lebenslange Folgen für ganze Familien. […] Nur so kommen wir unserem Ziel der Vision Zero Schritt für Schritt näher: Alle kommen an. Niemand kommt um.“ — Manfred Wirsch, Präsident des DVR

Für uns als Eltern steckt darin eine doppelte Botschaft. Die Plakate richten sich bewusst an Erwachsene, also an genau die Generation, die hinter dem Steuer sitzt. Und sie zeigen, dass ein Kinderbild eine Wirkung entfalten kann, die eine erhobene Zeigefinger-Statistik selten erreicht.

Die Zahlen, die hinter den Bildern stehen

Hinter dem Appell steckt ein sehr reales Problem. Im Jahr 2024 kamen laut Statistischem Bundesamt (Destatis) in Deutschland 2.780 Menschen im Straßenverkehr ums Leben, rein rechnerisch sind das acht an jedem Tag. Hinzu kamen rund 363.000 Verletzte. Allein auf den Autobahnen verunglückten 2024 rund 31.310 Menschen, das sind etwa 86 pro Tag.

Die Hauptursache ist und bleibt menschliches Verhalten. Unangepasste oder überhöhte Geschwindigkeit ist bei tödlichen Unfällen die Ursache Nummer eins: Rund 30 Prozent aller Verkehrstoten gehen darauf zurück, auf Autobahnen sind sogar 43 Prozent der Getöteten bei Unfällen mit zu hohem Tempo zu beklagen. Auch Ablenkung wiegt schwer, der Griff zum Handy kann das Unfallrisiko um bis zu 89 Prozent erhöhen. Genau diese drei Themen – Tempo, Abstand, Ablenkung – greift die Mal-Aktion auf.

Das große Ziel hinter all dem heißt Vision Zero: eine Welt ohne Verkehrstote und Schwerverletzte. Ein Wert, dem sich Deutschland im europäischen Rahmen verpflichtet hat und der nur dann näher rückt, wenn sichere Infrastruktur, sichere Fahrzeuge und verantwortungsbewusstes Verhalten zusammenkommen.

Vom Schockbild zum Buntstift: die Geschichte der Plakate

„Runter vom Gas“ gibt es seit 2008. Initiatoren sind das Bundesministerium für Verkehr und der DVR, Kooperationspartner ist die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung. In den Jahren danach hat die Kampagne fast jedes Register gezogen: das emotionale Motiv mit dem weinenden Kind (2017), das drastische „tipp tipp tot“ mit zersplittertem Smartphone (2018), den Reha-Patienten mit Beinprothese unter der Zeile „Weil der andere zu schnell war“ (2019) oder zuletzt die Warnung „Don’t drive high“ vor dem Fahren unter Drogeneinfluss (2025). Seit 2023 gehört außerdem die Initiative #mehrAchtung dazu, die für mehr Rücksicht und ein besseres Verkehrsklima wirbt.

Der Schritt zu den Kinderzeichnungen ist insofern eine Kehrtwende, weg vom reinen Schock, hin zur Empathie. Und er macht die Plakatwand erstmals zu einer Mitmachfläche: Nicht eine Agentur entscheidet allein über die Motive, sondern Familien im ganzen Land.

Warum das ein Thema für Familien ist

Genau hier wird die Aktion für uns Väter (und Mütter) konkret. Sie ist mehr als ein netter Malwettbewerb, sondern ein perfekter Anlass, mit den Kindern über Sicherheit im Auto zu sprechen, und zwar ohne erhobenen Zeigefinger. Wer mit dem Nachwuchs überlegt, wie man „zu wenig Abstand“ oder „zu schnell“ überhaupt zeichnet, erklärt nebenbei, warum genau das gefährlich ist. Kinder verstehen über das Malen oft besser, was eine Schrecksekunde bedeutet, als über reine Regeln.

Und seien wir ehrlich: Manchmal sind wir Erwachsenen selbst die Zielgruppe. Wer schon einmal mit quengelndem Kind auf der Rückbank im Stau stand und kurz aufs Handy geschaut hat, weiß, wie schnell Ablenkung passiert. Ein selbst gemaltes „Finger vom Handy!“-Bild am Kühlschrank wirkt da manchmal nachhaltiger als das drohende Bußgeld.

Wer das Thema vertiefen möchte: Bei uns findet ihr ohnehin viel rund um Sicherheit unterwegs, von der Frage, ab wann Kinder vorne sitzen dürfen, über Wintertipps für mehr Sicherheit mit Kindern im Auto bis zum großen Thema Schulweg statt Elterntaxi.

An die Stifte, fertig, los

Die Idee ist so simpel wie schön: Aus einem Kinderbild wird ein Plakat, das Erwachsene zum Nachdenken bringt. Wenn euer Kind also Lust auf Buntstifte, Filzer oder Tusche hat, ist jetzt der Moment. Bis zum 5. Juli 2026 könnt ihr die Zeichnungen einreichen und vielleicht entdeckt ihr im Spätsommer auf eurer nächsten Urlaubsfahrt ein vertrautes Motiv an der Autobahn. Mehr Infos gibt es auf der offiziellen Aktionsseite von „Runter vom Gas“.


FAQ – die wichtigsten Fragen zur Mitmachaktion

Wer darf bei der „Runter vom Gas“-Mal-Aktion mitmachen?

Alle Kinder in Deutschland bis 14 Jahre. Eingereicht werden die Bilder von den Eltern.

Welche Themen können gemalt werden?

Es gibt drei vorgegebene Themen mit festen Slogans: „Abstand halten!“ (zu geringer Abstand), „Rasen ist doof!“ (überhöhte Geschwindigkeit) und „Finger vom Handy!“ (Ablenkung am Steuer).

Müssen die Kinder den Slogan selbst aufs Bild schreiben?

Nein. Es reicht, wenn das gemalte Bild eindeutig zu einem der drei Themen passt. Die Slogans sind fest vorgegeben.

Bis wann kann man die Zeichnungen einreichen?

Einsendeschluss ist der 5. Juli 2026 um 18:00 Uhr.

Wie und wohin schickt man die Bilder?

Digital (Scan oder Foto) an kontakt@runtervomgas.de oder per Post (am besten DIN A3) an: Scholz & Friends Berlin GmbH, Litfaß-Platz 1, 10178 Berlin, Stichwort „Autobahnplakate 2026″. Wichtig: Name und Alter des Kindes angeben und die Einverständniserklärung der Eltern beilegen.

Was passiert mit den Gewinnerbildern?

Ausgewählte Werke kommen in eine Online-Galerie. Die besten Bilder ersetzen die bisher per KI gestalteten Plakatmotive und sind ab Spätsommer 2026 an deutschen Autobahnen zu sehen. Die Gewinner werden Ende Juli bekannt gegeben.

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