Rapper und TV-Urgestein, Deutschrap und Schlager, GZSZ und Kinderzimmer: Wenn zwei Männer wie Eko Fresh und Oli P. gemeinsam einen Song übers Traurigsein veröffentlichen, ist das erstmal eine ungewöhnliche Kombination. Mit „Traurig sein“ ist am 3. Juli die inzwischen vierte Single aus Eko Freshs Kinderalbum „HipHopper“ erschienen. Für Familien ist das gleich aus zwei Gründen interessant: Der Song bringt ein Thema ins Kinderzimmer, das dort viel zu selten vorkommt und er zeigt, wie sich Deutschraps bekanntester Familienvater gerade neu erfindet.
Worum es in „Traurig sein“ geht
Der neue Song nimmt sich eines Gefühls an, das Kinder früh kennen, aber selten benennen können: Traurigkeit. Statt sie wegzudrücken, geht es in „Traurig sein“ darum, dass auch schlechte Laune, Wehmut und Frust völlig normale Teile des Alltags sind, bei Kindern genauso wie bei Erwachsenen. Genau das machen Eko Fresh und Oli P. zum Kern des Tracks: Gefühle zulassen, sie in Worte fassen und verstehen, dass auch traurige Momente dazugehören. Für ein Kinderalbum, das sonst mit Zähneputzen, Anziehen bei kaltem Wetter oder Freundschaft hantiert, ist das ein bewusst ernsterer Ton. Und einer, der bei emotionaler Früherziehung ansetzt, statt nur zu unterhalten.
Die vierte Auskopplung aus „HipHopper“
„Traurig sein“ ist nicht der erste Vorgeschmack auf das Album. Den Anfang machte im März die Single „Bunny-Hop“, mit der Eko Fresh sein Kinderprojekt ankündigte. Es folgte im April die zweite Auskopplung „Wunder“, die am 17. April 2026 erschien, im Mai dann „Papa“ mit Feature-Gast Max Mutzke als dritte offizielle Single. Dazwischen schob Eko Fresh mit „Maja (Summ Summ Summ)“ noch eine Art musikalisches Extra ein: Zum 50. Geburtstag der Zeichentrickfigur Biene Maja coverte er das legendäre, einst von Karel Gott gesungene Titellied im HipHop-Gewand. Der Track erschien pünktlich zum Jubiläum rund um den Weltbienentag am 20. Mai und wurde im KiKA-Special „SingAlarm“ präsentiert.



Am 6. November erscheint dann das komplette Album „HipHopper“, Eko Freshs erstes Musikprojekt speziell für jüngere Kinder. Insgesamt umfasst es 15 Songs, die zwar als waschechte HipHop-Titel konzipiert sind, aber gleichzeitig kindgerecht, bunt und zugänglich bleiben sollen. Im Zentrum des Konzepts stehen fiktive Tierfiguren. „Kleine Häschen, aber auch andere Tierchen“, wie Eko Fresh sie selbst beschreibt, aus deren Perspektive er rappt. Sein erklärtes Ziel: eine Art „Tabaluga für HipHop“ erschaffen, ein eigenes kleines Universum, das Kinder unterhält und gleichzeitig Eltern erreicht, die selbst mit seiner Musik groß geworden sind. Prominente Unterstützung holt er sich dafür unter anderem bei Oli P., Max Mutzke, Nelson Müller und dem Schlagersänger Ramon Roselly.
Vom Straßenrap zum Kinderzimmer
Dass ausgerechnet Eko Fresh ein Kinderalbum macht, ist für alle, die seine Karriere seit den frühen 2000er-Jahren verfolgt haben, durchaus eine Überraschung. Der 1983 als Ekrem Bora in Mönchengladbach geborene Rapper begann bereits mit 15 Jahren zu rappen und wurde über seinen Mentor Kool Savas bekannt. Mit seinem Debüt-Album „Ich bin jung und brauch das Geld“ schaffte er es 2003 als 20-Jähriger sieben Wochen lang in die deutschen Top 20, sein größter Erfolg war das Album „Eksodus“, für das er unter anderem den Song „Du hast mein Herz gebrochen“ für Yvonne Catterfeld schrieb. Über zwei Jahrzehnte hinweg hat er sich als eine der konstantesten Figuren im deutschen HipHop etabliert, inklusive Ausflügen ins Schauspiel und mehrerer eigener Unternehmungen als Gründer.

Die Idee zu „HipHopper“ ist laut Eko Fresh direkt aus seinem eigenen Familienleben entstanden: Im Gespräch mit seinem Sohn über Musik sei ihm aufgefallen, wie wenig HipHop es gibt, der tatsächlich von den Dingen handelt, die kleine Kinder beschäftigen, vom Zähneputzen bis zum Umgang mit Gefühlen. Sein Sohn sei zwar mittlerweile etwas zu alt für die Zielgruppe des Albums, habe ihm während der Arbeit daran aber mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Produziert wurde „HipHopper“ von Jan van der Toorn, veröffentlicht wird es über Universal Music.
Oli P.: Vom Teenieschwarm zum Kinderlieder-Feature
Für viele Eltern in der Daddylicious-Zielgruppe dürfte Oli P. selbst eine kleine Zeitreise sein. Der 1978 in Berlin geborene Oliver Petszokat wurde in den späten Neunzigern durch seine Rolle als „Ricky Marquart“ in der RTL-Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ bekannt und landete parallel mit seiner gerappten Coverversion von Herbert Grönemeyers „Flugzeuge im Bauch“ einen der größten deutschen Charterfolge seiner Zeit.
Die Single erreichte 1998 die Spitzenposition in Deutschland, Österreich und der Schweiz und war bis 2017 die meistverkaufte deutschsprachige Single seit 1975. Heute ist Oli P. selbst Vater, moderiert TV-Formate und tritt regelmäßig auch im Schlager-Bereich auf. Dass er nun bei einem Kinderrap-Song über Gefühle mitwirkt, passt gut zu seinem Image als bodenständiger Entertainer, der seine Fans über Jahrzehnte hinweg begleitet hat.
Warum das Thema für Familien wichtig ist
Was „Traurig sein“ über den Neuigkeitswert hinaus interessant macht, ist der pädagogische Ansatz dahinter. Kinder lernen früh, Freude oder Wut zu zeigen. Traurigkeit dagegen wird im Alltag oft überspielt oder soll möglichst schnell „repariert“ werden. Ein Song, der Kindern vermittelt, dass es völlig in Ordnung ist, sich mal nicht gut zu fühlen, kann dabei helfen, Gefühle überhaupt erst zu benennen. Das ist genau die Art von emotionaler Kompetenz, die Fachleute für die kindliche Entwicklung als entscheidend ansehen und die im Kinderzimmeralltag zwischen Kita-Stress und Geschwisterstreit schnell zu kurz kommt.
Bis zum Albumrelease am 6. November dürften noch weitere Singles folgen. Wer neugierig geworden ist, findet „Traurig sein“ ab sofort auf allen gängigen Streaming-Plattformen sowie das dazugehörige Musikvideo auf YouTube.
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