Heute ist in vielen Teilen des Landes der erste Schnee gefallen, die Welt draußen verwandelt sich in eine weiße Winterlandschaft. Und während die Kinder begeistert ans Fenster rennen, stellt sich die Frage: Was machen wir heute? Schneemann bauen ist klar, aber danach? Wie wäre es mit einem Projekt, das Spaß macht, easy umzusetzen ist und gleichzeitig noch Sinn stiftet, weil es Tieren hilft? Vogelfutterkugeln basteln ist genau so ein Ding.
Eure Kinder lernen dabei etwas über die Natur, ihr verbringt Quality Time zusammen und am Ende habt ihr nicht nur etwas Selbstgemachtes in der Hand, sondern auch einen verdammt guten Grund, morgens beim Kaffee entspannt aus dem Fenster zu schauen. Nämlich auf die gefiederten Gäste im Garten oder dem Balkon, die sich an eurem DIY-Buffet bedienen.
Warum Vögel im Winter unsere Hilfe brauchen
Zugegeben, Vögel haben Millionen Jahre ohne unsere Hilfe überlebt. Aber: Die Winter sind nicht mehr das, was sie mal waren und unsere aufgeräumten Gärten sind es auch nicht. Wo früher wilde Ecken mit Beeren, Samen und Insekten waren, gibt es heute oft nur Rasen und Thujahecken. Eva Lindenschmidt, Wildtierexpertin bei VIER PFOTEN, erklärt: „Auch wenn die meisten Singvögel im Frühjahr und Sommer gerne Insekten futtern, steigen sie witterungsbedingt in den kalten Monaten auf Samen, Nüsse und Kerne um.“ Und genau da wird’s eng. Vor allem in schneereichen Wintern wie diesem haben es Meisen, Finken und Co. schwer, an natürliche Nahrung zu kommen. Eine Futterstelle im Garten oder auf dem Balkon ist dann nicht nur eine nette Geste, sondern echte Überlebenshilfe.
Der Clou: Ihr müsst dafür nicht in den Baumarkt rennen und teure Fertigprodukte kaufen, die in Plastiknetzen stecken und der Umwelt mehr schaden als nutzen. Stattdessen könnt ihr mit euren Kindern ganz einfach eigene Futterkugeln herstellen. Das macht mehr Spaß, ist umweltfreundlicher und am Ende steht ein cooles Erfolgserlebnis – für euch und für die Vögel.

Was du brauchst: Zutaten und Material
Das Schöne an diesem Projekt: Die meisten Zutaten hast du vermutlich schon zu Hause oder bekommst sie für wenig Geld im Supermarkt. Die Gesamtkosten liegen bei etwa 10 bis 15 Euro, je nachdem, wie viele Futterkugeln ihr herstellen wollt. Dafür reicht das Material locker für ein Dutzend Kugeln oder mehr. Hier ist deine Einkaufsliste:
Zutaten:
- Pflanzenfett (z.B. Kokosfett), etwa 200-300 g
- Etwas Salatöl
- Futtermischung für Körnerfresser: Sonnenblumenkerne, Hanfkörner, Hirse, Mohn oder gehackte Nüsse
- Futtermischung für Weichfutterfresser (optional): Rosinen, getrocknete Äpfel oder Beeren für Rotkehlchen, Amseln oder Wacholderdrosseln
- Behälter zum Formen: kleine Blumentöpfe, Kokosschalen, ausgewaschene Joghurtbecher oder Keksausstechformen
- Äste oder Kordel zum Aufhängen
- Optional: Backpapier, Holzspieße oder Zahnstocher
Das war’s. Kein fancy Zeug, keine komplizierten Zutaten.
Zeitaufwand
Plant etwa eine Stunde ein – inklusive Vorbereitung, Basteln und Aufräumen. Die eigentliche Bastelzeit liegt bei 20 bis 30 Minuten, danach müssen die Futterkugeln nur noch abkühlen und fest werden. Das dauert je nach Raumtemperatur ein bis zwei Stunden. Perfekt also für einen verregneten oder verschneiten Nachmittag, wenn draußen das Wetter ungemütlich ist und drinnen die Langeweile droht.
So geht’s: Schritt für Schritt zur eigenen Futterkugel
Jetzt wird’s praktisch. Zieht euch und den Kids eine Schürze an (oder zumindest alte Klamotten), denn es kann ein bisschen kleckern. Breitet eure Arbeitsfläche aus und legt alles bereit. Dann geht’s los:
Zuerst wird das Pflanzenfett geschmolzen. Dazu das Kokosfett in einem Topf bei niedriger Hitze sanft schmelzen lassen. Nicht zu heiß werden lassen, sonst verbrennt es. Hier ist Vorsicht geboten: Heißes Fett ist kein Spielzeug! Lasst eure Kinder dabei zuschauen, aber haltet sie vom Herd fern. Erklärt ihnen, warum das Fett heiß ist und dass man vorsichtig sein muss. Später dürfen sie umso mehr mitmachen.

Wenn das Fett geschmolzen ist, nehmt ihr den Topf vom Herd und lasst es kurz abkühlen, bis es lauwarm ist. Jetzt kommt die Futtermischung dazu. Als Faustregel gilt: Etwa zwei Teile Fett auf einen Teil Futtermischung. Also zum Beispiel 200 Gramm Fett und 100 Gramm Samen und Körner. Gebt noch einen Schuss Salatöl dazu – das macht die Masse geschmeidiger und verhindert, dass sie zu hart wird. Jetzt dürfen die Kids ran: Gut umrühren, bis alles schön vermischt ist.
Formen füllen und kreativ werden
Jetzt wird’s kreativ. Ihr könnt die Masse in kleine Blumentöpfe, ausgewaschene Joghurtbecher oder Kokosschalen füllen. Alternativ legt ihr Backpapier auf den Tisch, stellt Keksausstecher darauf (Sterne, Herzen, was auch immer euch gefällt) und füllt die Masse hinein. Eure Kinder lieben es, hier mitzumachen.
Wichtig: Vergesst nicht, einen Ast oder eine Kordel zum Aufhängen einzuarbeiten. Bei Blumentöpfen oder Bechern steckt ihr am besten einen verästelten Zweig in die Mitte, bevor die Masse fest wird. So könnt ihr die Futterkugel später kopfüber im Baum aufhängen – ohne Plastiknetz, das der Umwelt schadet. Bei Keksformen steckt ihr einen Holzspieß oder Zahnstocher in das obere Drittel. Wenn die Masse trocken ist, zieht ihr den Spieß raus und fädelt eine Kordel durch das Loch.
Abkühlen lassen und aufhängen
Jetzt heißt es: Geduld haben. Stellt die Formen an einen kühlen Ort oder raus auf den Balkon. Nach ein bis zwei Stunden ist die Masse fest, und ihr könnt die Futterkugeln vorsichtig aus den Formen lösen. Geht das nicht auf Anhieb, dreht die Form kurz in den Händen oder taucht sie ganz kurz in warmes Wasser, dann flutscht’s.
Jetzt kommt der schönste Moment: Gemeinsam raus in den Garten oder auf den Balkon und die selbstgemachten Futterkugeln aufhängen. Sucht euch geschützte Stellen aus, am besten in der Nähe von Büschen oder Bäumen, wo die Vögel sich sicher fühlen. Hängt die Kugeln nicht zu niedrig, damit Katzen keine Chance haben. Und dann: Zurücklehnen und warten.
Sicherheit geht vor: Worauf du achten solltest
Beim Basteln mit Kindern ist Sicherheit oberstes Gebot. Heißes Fett kann Verbrennungen verursachen, deshalb gilt: Herd-Nähe ist Eltern-Territorium. Lasst eure Kids erst ran, wenn die Masse auf handwarme Temperatur abgekühlt ist. Erklärt ihnen den Grund, dann verstehen sie’s auch.
Achtet außerdem darauf, welche Zutaten ihr verwendet. Nicht alles, was uns schmeckt, ist gut für Vögel. Brot zum Beispiel ist tabu, denn es quillt im Magen auf und kann den Tieren schaden. Auch Salz, Gewürze und Süßigkeiten haben im Vogelfutter nichts zu suchen. Verzichtet auf alles, was gesalzen, gewürzt oder stark verarbeitet ist. Auch Erdnüsse sollten ungesalzen und ungeröstet sein.
Eva Lindenschmidt von VIER PFOTEN warnt zudem vor handelsüblichen Meisenknödeln in Plastiknetzen: „Diese Netze bleiben oft hängen und werden später in die Natur geweht. Außerdem können sich Vögel darin verfangen.“ Deshalb: Finger weg von Plastik, selbst ist der Vater.

Welche Vögel ihr erwarten könnt
Wenn ihr eure Futterstelle eingerichtet habt, dauert es meist nicht lange, bis die ersten Gäste eintrudeln. Körnerfresser wie Meisen, Finken und Sperlinge lieben Sonnenblumenkerne, Hanf und Hirse. Buchfinken und Bergfinken stehen auf Bucheckern, während Amseln und Rotkehlchen sich über Rosinen, getrocknete Äpfel und Beeren freuen. Mit einer guten Mischung lockt ihr eine bunte Vielfalt an Vögeln an. Und das ist nicht nur schön anzuschauen, sondern auch lehrreich für eure Kids.
Wasser nicht vergessen
Ein Tipp, den viele vergessen: Vögel brauchen im Winter nicht nur Futter, sondern auch Wasser. Flache Schalen eignen sich perfekt, damit auch kleine Arten wie Meisen problemlos trinken können. Achtet darauf, das Wasser regelmäßig zu wechseln und bei Frost aufzutauen. Auch Eichhörnchen und andere Wildtiere freuen sich über frisches Wasser in der kalten Jahreszeit.
Reste verwerten: Nichts verschwenden
Bleibt von eurer Vogelfuttermischung noch etwas übrig? Kein Problem. Ihr könnt die Masse einfach in die Rinde alter Bäume oder zwischen Astgabeln streichen. So schafft ihr zusätzliche Futterquellen, und Vögel, die nicht so gerne an Kugeln turnen, finden trotzdem etwas zu picken.
Warum sich das Ganze lohnt
Klar, ihr könntet auch fertige Meisenknödel kaufen. Aber mal ehrlich: Wo bleibt da der Spaß? Beim Selbermachen vom Vogelfutter lernen eure Kinder, dass man mit ein bisschen Kreativität und den richtigen Zutaten richtig coole Sachen auf die Beine stellen kann. Sie erleben, wie aus Fett und Körnern etwas Nützliches entsteht, und verstehen, warum Vögel im Winter Hilfe brauchen. Das ist praktischer Naturschutz und nebenbei wertvolle Quality Time.











