Heute am Mittwoch, den 25. März, läuft zur Primetime um 20.15 Uhr ein Film in der ARD, der Eltern und Väter unmittelbar angeht. „Louma – Familie ist kein Kinderspiel“ erzählt von Trauer, Patchwork und der Frage, was eine Familie wirklich zusammenhält. Das solltet ihr euch mal angucken. Und wenn ihr es heute nicht schafft, findet ihr den Film auch in der ARD Mediathek.
Ein Schlag in die Magengrube
Der Film startet mit heftigen Bildern. Gleich zu Beginn wird man quasi in einen Schockzustand versetzt: Lou (gespielt von Maria Nasemann), von allen Louma genannt, stirbt bei einem Autounfall. Keine lange Einleitung, keine Vorbereitung. Die Mutter ist weg. Vier Kinder, zwei Väter und keine Mama mehr.
Genau dieses Tempo ist es, das den Film so besonders und gleichzeitig so unangenehm ehrlich macht. Denn der Tod eines Elternteils ist in deutschen Wohnzimmern ein Thema, über das kaum jemand spricht, solange er nicht muss. Wir reden mit unseren Kindern über Haustiere, die sterben, über Omas und Opas, die irgendwann nicht mehr da sein werden. Aber über uns selbst? Über die Vorstellung, dass Mama oder Papa morgen einfach nicht mehr da sein könnten? Die meisten Familien schieben dieses Gespräch so lange vor sich her, bis der Ernstfall keine Theorie mehr ist.
„Louma“ zwingt uns, genau das anzuschauen. Nicht als Schocktherapie, sondern als Anregung. Wie würden unsere Kinder reagieren? Wie wir selbst? Und: Wären wir überhaupt vorbereitet, also nicht nur organisatorisch, sondern emotional, als Familie?

Zwei Väter, vier Kinder, ein Dach
Lous erster Mann Tristan, erfolgreicher Besitzer einer Kaffeehauskettte, ist der Vater der 16-jährigen Toni und des 14-jährigen Fabi. Lous zweiter Partner Mo, ein Musiker, ist der Vater der zehnjährigen Fritte und des achtjährigen Nano. Das klingt nach einer Patchworkformel und einer Großfamilie, wie man sie in deutschen Wohnungen nur selten findet, und doch ist sie näher an der Lebensrealität vieler Familien, als es auf den ersten Blick scheint.
Toni und Fabi lebten nach der Scheidung bei Lou und Mo. Als Lou stirbt, will Tristan nun plötzlich wieder Verantwortung übernehmen. Es kommt zum Streit, und die kleine Fritte hat die rettende Idee: Warum ziehen nicht alle zusammen?
Und diese Idee, die beide Papas mitgehen, sorgt für Turbulenzen. Zwischen den beiden grundverschiedenen Vätern gibt es unter anderem eine Hauerei, während die vier Kinder sich bestens verstehen und einfach zusammenbleiben wollen. Und genau hier liegt einer der schönsten und lehrreichsten Momente des Films: Kinder denken in Lösungen, Erwachsene in Problemen. Kinder fragen „Wie können wir das hinbekommen?“, Erwachsene fragen „Wer hat hier eigentlich das Recht?“.

Was könnten wir von unseren Kindern lernen? Vielleicht das Wichtigste: dass Beziehungen keine Besitzverhältnisse sind. Dass Loyalität sich nicht aufteilen lässt wie ein Sorgerechtskalender. Und dass der Mensch, der einem anderen am meisten fremd ist, manchmal derjenige ist, mit dem man am Ende unter einem Dach lebt und schläft und streitet und gemeinsam Frühstück macht.
Strukturierter Kaffeepapa vs. chaotischer Teetrinker
Tristan und Mo sind das genaue Gegenteil voneinander. Mo ist für die Kinder eine verlässliche, präsente Konstante, jemand der zuhört und in den Arm nimmt. Aber er ist auch verträumt und verpeilt, vergisst schon mal einen wichtigen Termin und verliert den Überblick über organisatorische Dinge. Tristan hingegen ist der Manager-Typ, strukturiert, leistungsorientiert, jemand der seine Kinder bis zum Tod ihrer Mutter nur alle 14 Tage gesehen hat.
Beide sind Klischees, aber beide sind auch irgendwie echt. Und beide scheitern auf ihre eigene Art, wenn sie mit dem konfrontiert werden, was das andere besser kann. Die Männer-Charaktere mögen nah am Klischee gebaut sein, aber wie sich Tristan und Mo aus ihren festgefahrenen Rollenbildern lösen und ihre Vorurteile aufgeben, ist das, was am Ende in dieser Geschichte zählt.

Was macht eigentlich einen guten Vater aus? Der Film gibt darauf keine einfache Antwort, aber er stellt die Frage laut und deutlich. Ist es Präsenz? Struktur? Emotionale Verfügbarkeit? Der Film zeigt: Es ist alles davon. Und keiner der beiden Männer hat es vollständig. Vielleicht ist das die ehrlichste Aussage, die ein Film über Vaterschaft treffen kann.
Mehr als Drama: Was der Film wirklich erzählt
Die Geschichte lebt von vielen kleinen Momenten und Zwischentönen. Subjektive Rückblenden aus der Sicht der trauernden Männer geben Aufschluss über die Phasen beider Beziehungen. Das ist clever gelöst, weil man als Zuschauer so den Verlust besser begreifen kann.
Neben dem Trauerthema gibt es auch Drama durch Feuer, einen verschwundenen Hund und psychische Erkrankungen, denn bereits während ihrer ersten Ehe mit Tristan war Lou durch den Stress des gemeinsamen Firmenaufbaus zusammengebrochen und war in die Klinik gekommen. Der Film blendet die Brüche im Leben seiner Figuren nicht aus, er zeigt sie als das, was sie sind: Teil jeder Familiengeschichte.

Die großen Fragen nach Schuld und Verantwortung schwingen dabei stets mit. Wer war diese Frau, die vier Kinder zurücklassen musste? Welche Rolle spielte sie in ihren Ehen? Welcher Mensch verbarg sich hinter der Mutter? „Louma“ ist somit auch ein Porträt einer Frau, die man erst richtig kennenlernt, wenn sie nicht mehr da ist. Das kennt wohl jeder, der schon mal jemanden verloren hat.
Ein Film, der Fragen stellt
Patchworkfamilien sind in Deutschland längst keine Seltenheit mehr. Hunderttausende Kinder wachsen heute mit Stiefgeschwistern, Stiefelternteilen und komplizierten Konstellationen auf. Was fehlt, sind Bilder davon, wie diese Familien wirklich funktionieren können, nicht als Notlösung, sondern als echtes Modell.
Die Tonart, in der „Louma“ erzählt ist, lässt erahnen, dass diese sechs kleinen und großen Individualisten das irgendwann hinkriegen werden mit dem liebe- und respektvollen Umgang miteinander. Man ist als Zuschauer quasi Besucher in diesem ungewöhnlichen Haus. Und genau das ist die Stärke des Films: Er zeigt nicht den perfekten Weg, sondern die schwierige Realität.

Für Väter und Mütter, für alle, die in Trennungsfamilien oder Patchworkkonstellationen leben, ist dieser Film ein Spiegel. Vielleicht ein unbequemer. Aber einer, der sich lohnt.
„Louma – Familie ist kein Kinderspiel“ läuft am Mittwoch, 25. März, um 20.15 Uhr im Ersten. Bereits jetzt ist er hier in der ARD Mediathek abrufbar. 90 Minuten, die sich lohnen. Schaut ihn euch an und redet drüber.











