Bücher für Kinder

Pinguin-Papas, Oma-Orcas & Elefanten-Kitas – Ein Kinderbuch feiert die tollsten Tierfamilien

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Ein lesenswertes und unterhaltsames Sachbilderbuch, das zeigt: Familie gibt es in allen Formen und Größen und Erziehung ist im Tierreich meist reine Teamarbeit. Wir verraten, warum „Wildes Zusammenleben“ von Kleine Gestalten das perfekte Vorlesebuch für neugierige Kinder ab fünf Jahren ist.

Stell dir vor, du stehst wochenlang bei minus 40 Grad im antarktischen Sturm, balancierst ein Ei auf deinen Füßen, deckst es mit einer Bauchfalte zu und rührst dich nicht vom Fleck, bis dein Kind schlüpft. Willkommen im Alltag eines Kaiserpinguin-Vaters. Während die Mutter kilometerweit ins Meer wandert, um Fische zu jagen, brütet der Papa das Ei ganz allein aus. Erst wenn das Küken da ist und die Mutter zurückkehrt, ist er an der Reihe, sich am offenen Wasser satt zu fressen.

Genau solche Geschichten erzählt „Wildes Zusammenleben – Die tollsten Tierfamilien der Welt“, das diesen August bei Kleine Gestalten erschienen. Und weil wir bei Daddylicious ein Faible für engagierte Väter haben, sei vorweggeschickt: Selten hat ein Kinderbuch so charmant vorgeführt, dass Fürsorge nicht immer Frage des Geschlechts ist, sondern eine Frage des Zusammenhalts.

Worum es in „Wildes Zusammenleben“ geht

Das Grundmotto des Buches ist ein Satz, den viele Eltern kennen: „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen.“ Die Autorinnen Sara und Olivia Forster drehen den Spieß um und zeigen: Tiere haben dieses Prinzip längst perfektioniert, schon lange bevor wir Menschen Kita, Babysitter oder das Wochenende bei Oma und Opa erfunden haben.

Auf 48 vollfarbigen Seiten reihen sich verblüffende Beispiele aneinander: Löwinnen, die eine Art Kindergarten bilden. Erdmännchen und Afrikanische Wildhunde, die den Nachwuchs gemeinschaftlich aufziehen. Elefantenherden, die von erfahrenen Leittieren zusammengehalten werden. Der rote Faden ist dabei ein Fachbegriff, der auch in der aktuellen Erziehungsdebatte gerade Konjunktur hat: Alloparenting – die Betreuung von Jungtieren durch andere als die leiblichen Eltern. Für Kinder wird daraus ganz nebenbei eine tröstliche Botschaft: Es ist völlig normal, dass sich viele Menschen um dich kümmern.

Die Papas, die alles geben

Für Väter ist ein ganzes Kapitel reserviert – „Engagierte Väter“ –, und es hat es in sich. Neben dem Kaiserpinguin treten hier zwei weitere Helden auf, die man nicht auf dem Zettel hat.

Da ist der Nandu, ein straußenähnlicher Laufvogel aus Südamerika. Bei ihm baut das Männchen das Nest, brütet die Eier von mehreren Weibchen aus und zieht die Küken anschließend ganz allein groß, ein echter Alleinerziehender im Federkleid. Und da ist der Seedrache, ein enger Verwandter des Seepferdchens, bei dem der Vater die Eier am Körper trägt, bis der Nachwuchs schlüpft. Schwangere Papas sozusagen. Wer seinem Kind erklären möchte, dass „typisch Mama“ und „typisch Papa“ im Tierreich fröhlich durcheinandergehen, findet hier die schönsten Vorlagen.

Sehr rührend ist auch die Doppelseite über Tiere, die „immer für die Kleinen da“ sind. Orang-Utan-Mütter etwa gehören zu den geduldigsten Eltern überhaupt: Sieben bis acht Jahre lang bringen sie ihrem Kind alles bei: wo es Nahrung findet, wie es ein Schlafnest baut, und sogar den Trick, große Blätter als „Handschuhe“ zu benutzen, um stachelige Früchte greifen zu können. Delfinmütter wiederum schlafen in den ersten Lebenswochen ihres Kalbs praktisch nicht, damit sie es immer rechtzeitig zum Atmen an die Wasseroberfläche schieben können. Übernächtigte Eltern kennen das… ;-)

Warum Oma manchmal alles besser weiß

Ein weiteres Highlight des Buches sind die weisen Anführerinnen. Bei den Südlichen Schwertwalen vor der Pazifikküste Nordamerikas führen alte, längst nicht mehr fortpflanzungsfähige Weibchen die Jagd an. Das ist wissenschaftlich gut belegt: Der Schwertwal gehört zu den ganz wenigen Arten, bei denen Weibchen – ähnlich wie wir Menschen – die Wechseljahre durchleben und danach noch Jahrzehnte weiterleben.

Forschende der University of Exeter konnten zeigen, dass diese Großmütter wie „Wissensspeicher“ wirken: Vor allem in mageren Jahren mit wenig Lachs schwimmen sie an der Spitze der Gruppe und führen ihre Familie zu den besten Futterplätzen. Laut Buch teilen sie dabei bis zu 90 Prozent ihrer Beute mit den Jüngeren und geben sogar eigene „Dialekte“ an die nächste Generation weiter. Kultur unter Walen, weitergegeben von der Oma.

Tierische Kitas, Tagespflege und Kälberwache

Die vielleicht kindgerechtesten Parallelen zieht das Kapitel „In der Kita“. Löwinnen mit gleichaltrigem Nachwuchs schließen sich zu einer Aufzuchtgemeinschaft zusammen und säugen auch mal die Jungen der anderen. Eiderenten organisieren eine regelrechte „Küken-Tagespflege“, in der mehrere Hundert Küken unter der Aufsicht einiger Weibchen paddeln, während die übrigen Mütter in Ruhe fressen. Und Giraffen halten „Kälberwache“: Weil ein Giraffenkalb im ersten Jahr fast 1,2 Meter wächst und dafür ständig Milch braucht, wechseln sich die Mütter beim Aufpassen ab, damit jede genug Zeit zum Fressen hat.

Verliebt fürs Leben und ein echter Superstar

Romantiker kommen beim Laysanalbatros auf ihre Kosten. Diese Seevögel bleiben oft ein Leben lang zusammen und finden ihre Partner über gemeinsame Tänze, die bis zu einer Stunde dauern können. Jedes Paar entwickelt mit der Zeit seinen ganz eigenen Tanz, den nur diese beiden Vögel zeigen.

Der heimliche Star des Kapitels ist ein reales Tier: Wisdom, ein Albatros-Weibchen vom Midway-Atoll im Pazifik, der älteste bekannte Wildvogel der Welt. Das Buch nennt sie rund 75 Jahre alt mit über 30 großgezogenen Küken, und dieser Stand ist erstaunlich aktuell: Wisdom wurde bereits 1956 beringt und ist im November 2025 zur neuen Brutsaison ans Atoll zurückgekehrt. Mit einem neuen Partner, nachdem ihr langjähriger Gefährte verschwunden war. Inzwischen gilt sie sogar als Urgroßmutter.

Wenn Menschen helfen müssen

„Wildes Zusammenleben“ ist kein rein niedliches Buch. Es zeigt auch, wie Tiere mit modernen Umweltkrisen umgehen und wo Menschen einspringen. Das eindrücklichste Beispiel ist die Doppelseite „Alles für die Elefanten“ über den Sheldrick Wildlife Trust in Kenia. Dort werden verwaiste Elefantenbabys aufgezoge, Pflegerinnen und Pfleger ersetzen die verstorbenen Mütter, schlafen nachts sogar bei den Tieren im Stall. Laut Buch konnten so bereits 196 Elefanten ausgewildert werden und diese Tiere haben ihrerseits 91 Babys zur Welt gebracht. Fast jedes ausgewilderte, selbst Mutter gewordene Tier hat sein Neugeborenes irgendwann seiner menschlichen „Familie“ vorgestellt. Ein starker Moment, der Kindern zeigt: Naturschutz wirkt.

Bilder zum Verlieben

Getragen wird das alles von den Illustrationen von Sara Mulvanny, die auf Feder- und Tuschezeichnungen spezialisiert ist und diese anschließend digital koloriert. Ihr Stil ist warm, erdig und detailverliebt, ohne je überladen zu wirken. Man möchte auf jeder Seite verweilen und zusammen mit den Kindern alle Tiere suchen. Für Mulvanny, die in Surrey lebt und sonst für Bücher, Magazine und Museen arbeitet, ist es das erste Buch bei Kleine Gestalten.

Hinter den Texten stehen die Schwestern Sara und Olivia Forster. Sara ist Kinderbuchautorin und begeisterte Sporttaucherin, Olivia Zoologin mit Schwerpunkt Biodiversität und Naturschutz. Sie hat unter anderem Wildtierkorridore in Kenia erforscht und arbeitet heute für den Schutz von Meeresschildkröten. Diese Mischung aus Erzählfreude und echtem Fachwissen ist im Buch spürbar: Es ist charmant, aber nie kindisch, und die Fakten stimmen.

Für wen lohnt sich „Wildes Zusammenleben“?

Empfohlen ist das Buch ab fünf Jahren, und das passt. Jüngere Kinder genießen die Bilder und die kurzen Geschichten, Schulkinder saugen die Fakten auf, und Eltern lernen ehrlich gesagt selbst noch dazu. Der Aufbau in thematischen Doppelseiten macht es ideal für die Gute-Nacht-Runde: Man kann eine Tierfamilie pro Abend lesen, ohne dass es zu lang wird. Ein Glossar am Ende („Was bedeutet das?“) erklärt schwierige Begriffe kindgerecht.

Wer ein Vorlesebuch sucht, das nebenbei Werte vermittelt – Zusammenhalt, Fürsorge, Geduld – und das dabei weder mit dem Zeigefinger wedelt noch ins Kitschige abrutscht, macht mit „Wildes Zusammenleben“ alles richtig. Die vielleicht schönste Botschaft für unsere Kinder steckt schon im Titel: Egal, ob man Pfoten, Flossen, Federn oder Hände hat, die stärksten Familien sind die, in denen man sich gegenseitig hilft.

Herausgeber: Kleine Gestalten
Illustrationen: Sara Mulvanny
Text: Sara & Olivia Forster
Empfohlenes Alter: ab 5 Jahren
Ausstattung: vollfarbig, Hardcover, fadengebunden, 48 Seiten
Format: 24 × 28 cm
Preis: 19,90 € (D)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-96704-807-0
Erschienen am: 27. August 2026

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