Ein Löwenjunges liegt verlassen von seinem Rudel und halb verhungert im Sand der Kalahari. Ein junger Mann vom Bodensee wollte eigentlich nur Ranger werden. Was aus den beiden geworden ist, verfolgen heute Millionen Menschen auf Instagram. Seit dem 21. September 2026 gibt es die Geschichte auch für Kinder ab fünf Jahren: „Sirga und Valentin. Die wahre Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft“ ist beim Kosmos Verlag erschienen. Wir haben uns das Bilderbuch angesehen und erzählen, wer hinter der Geschichte steckt und warum sie weit über ein Tierbuch hinausgeht.
Worum geht es in „Sirga und Valentin“?
Weit draußen in der Kalahari entdeckt der junge Wildhüter Valentin eines Tages ein kleines Löwenjunges. Es ist allein, verwahrlost und von seiner Familie zurückgelassen. Valentin nimmt die kleine Löwin bei sich auf und gibt ihr den Namen Sirga. Von da an ziehen die beiden gemeinsam durch die Wüste. Sie begegnen riesigen Gnuherden, Sirga versucht ihren Platz unter anderen Löwen zu finden und lernt Schritt für Schritt, sich in ihrer Welt zurechtzufinden. Als sie krank wird, bleibt Valentin an ihrer Seite, bis sie wieder zu Kräften kommt.
Das Buch erzählt eine Geschichte über Freundschaft, Vertrauen und Verantwortung. Die warmen, lebendigen Illustrationen machen die Weite der Kalahari auch für Kinder greifbar, die noch nie einen Löwen außerhalb des Zoos gesehen haben. Jede Szene hat einen realen Hintergrund, und darin liegt der besondere Reiz des Buches.

Wer ist Valentin Grüner? Vom Bodensee in die Kalahari
Valentin Grüner wurde 1987 in Engen am Bodensee geboren. Das ist ungefähr so weit von der afrikanischen Wildnis entfernt, wie man sich das vorstellen kann. Der Traum vom Leben im Busch war trotzdem früh da. Um ihn zu finanzieren, arbeitete Grüner zunächst in Kanada. In Namibia sammelte er anschließend erste Erfahrungen mit Raubtieren, in Südafrika ließ er sich zum Ranger, Spurenleser und professionellen Naturführer ausbilden. Danach zog er nach Botswana.
Dort lebt er inzwischen seit mehr als 15 Jahren, und zwar ganzjährig in einer der abgelegensten Regionen des südlichen Afrikas. Er ist ausgebildeter Buschpilot, kümmert sich um Wildtiermanagement und unterstützt Anti-Wilderei-Einsätze. Außerdem hat er das Modisa Wildlife Project gegründet. Den Namen kennt man hierzulande spätestens seit seinem Buch „Löwenland“, das beim Rowohlt Verlag erschienen und ein Spiegel-Bestseller geworden ist.
Die wahre Geschichte hinter dem Buch
Sirga wurde als wenige Tage altes Junges von ihrem Rudel verstoßen. Valentin zog sie per Hand auf, allerdings nicht als Haustier, sondern mit dem Ziel, ihr ein möglichst wildes Löwenleben zu ermöglichen.
Ganz in die Freiheit entlassen werden kann Sirga trotzdem nicht. Wilde Löwen in der Umgebung würden sie töten. Weil sie an Menschen gewöhnt ist, wäre sie außerdem eine Gefahr für die umliegenden Dörfer. Heute lebt die rund 180 Kilogramm schwere Löwin deshalb in einem eigenen, etwa 2.000 Hektar großen eingezäunten Reservat innerhalb des Modisa-Gebiets. Sie jagt selbstständig, zeigt natürliches Verhalten und trägt ein Satellitenhalsband, über das ihre Bewegungen überwacht werden.

Berühmt wurde das ungleiche Duo durch ein Video: Sirga begrüßt Valentin darin mit einem stürmischen Sprung und umarmt ihn regelrecht. Der Clip ging um die Welt und landete unter anderem bei NBC News. Inzwischen folgen Millionen Menschen den beiden auf Instagram, sowohl Valentin selbst (@valgruener) als auch Sirga auf ihrem eigenen Account (@sirgathelioness).
Wenn Social Media ausnahmsweise Gutes tut
Als Eltern hören wir über Social Media meist das, was uns Sorgen macht: Hass im Netz, Mobbing, Dauerscrollen. Die Geschichte von Sirga und Valentin zeigt die Gegenseite. Aus der Reichweite der Videos ist ein ganzes Naturschutzprojekt entstanden.
Das Wort „Modisa“ ist Setswana, die Landessprache Botswanas, und bedeutet „Hirte“. Das Projekt ist ausdrücklich kein Zoo, keine Lodge und kein Safari-Betrieb. Es finanziert sich überwiegend über Mitgliedschaften auf der Plattform Patreon und über private Spenden. Die Fans bekommen dort exklusive Einblicke in den Alltag von Sirga und dem Team. Mit ihren Beiträgen bezahlen sie Gehälter, Landmanagement und Naturschutzarbeit vor Ort. Innerhalb von zwei Jahren ist diese Community um das Elffache gewachsen.
Mit dem Geld wird viel bewegt:
- Artenschutz: Schutz von Raubtieren und Großwild, Rettungseinsätze, Monitoring mit Kamerafallen
- Mensch-Tier-Konflikte: Zusammenarbeit mit Viehhaltern, damit Löwen nicht abgeschossen werden, wenn sie Rinder reißen
- Gemeindearbeit: Alle Mitarbeitenden stammen aus der Region, aus den Gemeinden Ghakibani und Khawa
- Umweltbildung: Camps und Lernangebote für Kinder, Studierende und Besucher:innen
- Rewilding: Mit dem Desert Rain Rewilding Project sollen großflächig Wildtierkorridore wiederhergestellt werden
Wenn euer Kind also das nächste Mal fragt, warum ihr eigentlich dauernd aufs Handy schaut, habt ihr zumindest eine gute Gegengeschichte parat.
Was das Buch Kindern mitgibt
„Sirga und Valentin“ ist ein warmherziges Buch über Freundschaft. Es erzählt davon, für jemanden da zu sein, auch wenn es schwierig wird. Valentin gibt nicht auf, als Sirga krank wird. Er übernimmt Verantwortung und respektiert zugleich, dass sie eine Löwin ist und bleibt. Diese Haltung können Kinder schon mit fünf Jahren gut verstehen.
Gerade deshalb lohnt sich beim Vorlesen ein kurzer Realitätscheck. Die Bilder einer kuschelnden Löwin sind hinreißend. Kinder sollten aber mitnehmen, dass diese Nähe nur durch eine ganz besondere Lebensgeschichte möglich ist und auch dann nicht ohne Risiko bleibt. Wilde Tiere sind keine Kuscheltiere. Das betont Valentin Grüner selbst immer wieder.
Fragen, über die ihr nach dem Lesen sprechen könnt:
- Warum kann Sirga nicht einfach zu den anderen Löwen zurück?
- Was macht eigentlich ein Ranger den ganzen Tag?
- Woran merkt man, dass jemand ein guter Freund ist?
- Warum darf man wilde Tiere nicht einfach streicheln, auch wenn sie süß aussehen?
So wird aus einer Gute-Nacht-Geschichte ein kleiner Einstieg in Naturschutz und Tierwohl, ganz ohne erhobenen Zeigefinger.

Für wen eignet sich das Bilderbuch?
Das Hardcover mit 32 Seiten ist für Kinder ab fünf Jahren gedacht. Es passt zum Vorlesen am Abend, zu Tierfans im Kita- und Grundschulalter und als Geschenk für Kinder, die jede Tierdoku zweimal schauen wollen. Die Texte bleiben kurz, die Illustrationen tragen viel der Stimmung. Wer mag, schaut danach gemeinsam ein paar echte Videos von Sirga an und staunt, wie nah das Buch an der Wirklichkeit ist.
Für Eltern, die die ganze Geschichte kennenlernen wollen, gibt es das passende Erwachsenenbuch „Löwenland. Mein Leben für Afrikas letzte Wildnis“ (Rowohlt Polaris). Und wer Valentin Grüner live erleben möchte: Mit seiner Show „Löwenland“ tourt er ab Januar 2027 mit 26 Terminen durch die Schweiz und Deutschland.
Das Wichtigste in Kürze
- Titel: Sirga und Valentin. Die wahre Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft
- Autor:innen: Valentin Grüner (Text), Barbara Schulze Frenking
- Verlag: Kosmos, erschienen am 21. September 2026
- Ausstattung: Hardcover, 32 Seiten
- Preis: 15,00 €
- Alter: ab 5 Jahren
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