Bei Bert bleibst du stehen, bei Ernie kannst du gehen: Sesamstraße regelt jetzt Hamburgs Verkehr!
Ernie und Bert haben in ihrem langen Leben schon einiges erlebt. Sie haben sich über Quietscheentchen gestritten, Kekse gezählt und uns das Alphabet beigebracht. Jetzt übernehmen die beiden Kultfiguren aus der Sesamstraße eine völlig neue Aufgabe: Sie regeln den Verkehr. Und zwar nicht in ihrer fiktiven Sesamstraße, sondern an echten Kreuzungen in Hamburg. Was zunächst nach einer kuriosen Randnotiz klingt, entwickelte sich gestern zu einem echten Medienereignis, die Ampeln schafften es sogar in die Tagesschau.
Hamburgs neue Verkehrshelden in Rot und Grün
Seit dem 13. Januar 2026 strahlen Ernie und Bert an zwei Hamburger Kreuzungen um die Wette. Am Hugh-Greene-Weg Ecke Julius-Vosseler-Straße sowie an der Rothenbaumchaussee Ecke Oberstraße zeigen die beiden Sesamstraßen-Ikonen Fußgängern, wann sie sicher die Straße überqueren können. Die Standorte wurden bewusst gewählt: Beide liegen in unmittelbarer Nähe zu den NDR-Standorten, wo die deutsche Sesamstraße seit über 50 Jahren produziert wird.
Der Einweihung am Montagmittag wohnten hochkarätige Gäste bei. NDR-Intendant Hendrik Lünenborg und Bernhard Glöggler, Geschäftsführer und Vice President von Sesame Workshop Europe, waren ebenso vor Ort wie – natürlich – Ernie und Bert höchstpersönlich. Die beiden Puppen ließen es sich nicht nehmen, ihre neuen Einsatzbereiche persönlich in Augenschein zu nehmen.
Wenn Kindheitshelden Verantwortung übernehmen
„Ich freu mich total, dass wir jetzt Ampelmännchen sind!“, verkündete Ernie bei der Einweihung strahlend. „Endlich kann ich den Leuten in Hamburg helfen, sicher über die Straße zu kommen. Und der Spruch ist super: Bei Bert bleibst du stehen, bei Ernie kannst du gehen!“ Typisch Ernie, selbst bei offiziellen Anlässen bleibt er der fröhliche Optimist, den wir alle lieben.

Bert, sein langjähriger Mitbewohner und Gegenpol, sieht die Sache naturgemäß etwas nüchterner: „Typisch Ernie! Natürlich will er derjenige sein, bei dem alle loslaufen dürfen. Aber ich sage: Wer bei mir stehen bleibt, hat mehr Zeit, die Tauben zu beobachten. Das ist doch auch was Schönes! Außerdem bin ich rot, weil ich vor Ärger über Ernies Scherze rot anlaufe.“
Diese Rollenteilung ist perfekt durchdacht: Der lebhafte, unbeschwerte Ernie leuchtet grün und signalisiert freie Bahn. Der eher vorsichtige, manchmal grummelige Bert mahnt in Rot zur Geduld. Wer die beiden aus unzähligen Sesamstraßen-Folgen kennt, wird bei diesem Setup schmunzeln und sich die Ampelfarben vermutlich ein Leben lang merken.
Mehr als nur eine witzige Idee
Hinter der sympathischen Aktion steckt ein ernster Hintergrund. „Seit über 50 Jahren produziert Sesame Workshop gemeinsam mit dem NDR in Hamburg die Sesamstraße“, erklärte Bernhard Glöggler. „Die Ampeln setzen ein besonderes Zeichen der Verbundenheit der ‚Sesamstraße‘ mit der Stadt. Darüber hinaus ist es uns ein Anliegen, mit dieser Ampel-Gestaltung auf Rücksichtnahme im Straßenverkehr und die Notwendigkeit von Verkehrserziehung für Kinder aufmerksam zu machen.“
Und genau hier liegt der Kern der Sache: Verkehrserziehung ist für Kinder lebenswichtig. Laut Statistischem Bundesamt verunglücken jährlich über 27.000 Kinder unter 15 Jahren im Straßenverkehr. Kinder müssen erst lernen, Gefahren richtig einzuschätzen, Geschwindigkeiten zu beurteilen und die Bedeutung von Verkehrszeichen zu verstehen. Ihre Körpergröße allein macht es ihnen schwerer, den Verkehr zu überblicken und zwischen parkenden Autos können sie die Straße kaum einsehen.
Ampeln gehören zu den wichtigsten Hilfsmitteln für sichere Straßenüberquerungen. Doch damit Kinder sie richtig nutzen, müssen sie deren Funktion verstehen und sich an die Regeln halten. Wenn vertraute Gesichter wie Ernie und Bert diese wichtigen Signale vermitteln, bleibt die Botschaft besser haften. Kindgerechte Gestaltung macht Verkehrsregeln greifbarer und vielleicht bleiben kleine Hamburger eher stehen, wenn Bert sie dazu auffordert, als wenn es ein rotes Männchen tut.

Die Sesamstraße: Eine Hamburger Erfolgsgeschichte seit über 50 Jahren
Die Verbindung zwischen Hamburg und der Sesamstraße ist tief verwurzelt. Am 8. Januar 1973 lief die erste deutsche Sesamstraßen-Folge im Fernsehen, zunächst als synchronisierte Version der amerikanischen Originale. Deutschland war damit das erste Land außerhalb der USA, das die Sendung zeigte. Doch die amerikanischen Großstadtszenen stießen auf Kritik. Der Bayerische Rundfunk weigerte sich sogar, die Sendung auszustrahlen, weil die Inhalte angeblich nicht zur deutschen Lebenswirklichkeit passten.
Die Lösung: Ab 1978 produzierte der NDR eine eigene deutsche Rahmenhandlung. Statt der Sesame Street aus New York gab es nun eine Sesamstraße made in Hamburg. Mit eigenen Figuren wie dem Bären Samson, dem Vogelmädchen Tiffy und später Figuren wie Finchen oder Wolle und Pferd. Die amerikanischen Sketche mit Ernie und Bert, dem Krümelmonster, Grobi und Bibo blieben aber integraler Bestandteil der Sendung.
Heute, mehr als 50 Jahre später, wurden vom NDR fast 3.000 Folgen produziert. Die Sesamstraße hat Generationen von Kindern begleitet. Wer in den 70ern, 80ern oder 90ern aufgewachsen ist, kennt den eingängigen Titelsong: „Der, die, das – wer, wie, was – wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm!“ Dieser Ohrwurm sitzt noch heute. Seit 2012 singt ESC-Gewinnerin Lena Meyer-Landrut die deutsche Version.
Ernie und Bert: Mehr als beste Freunde
Ernie und Bert gehören seit 1969 zur Sesamstraßen-Familie. In den USA erfunden, eroberten sie auch deutsche Kinderzimmer im Sturm. Ihre Beziehung ist legendär: Der chaotische, lebenslustige Ernie mit seiner Vorliebe für Quietscheentchen und nervtötende Fragen trifft auf den ordnungsliebenden, rationalen Bert, der Tauben sammelt und seine Ruhe haben möchte. Ihre Sketche sind zeitlose Meisterwerke.
Die beiden sind mehr als Puppen, sie sind kulturelle Ikonen. Jahrzehntelang hielt sich hartnäckig das Gerücht, sie seien ein schwules Paar. 2018 wurde dies offiziell dementiert: Sie sind beste Freunde, mehr nicht. Aber ihre Dynamik zeigt Kindern, wie unterschiedliche Persönlichkeiten zusammenleben können, wie man Konflikte löst und dass Freundschaft auch dann funktioniert, wenn man nicht immer einer Meinung ist.

Hamburg in der Liga der kreativen Ampelstädte
Mit den Ernie-und-Bert-Ampeln betritt Hamburg zwar Neuland, steht damit aber nicht alleine da. Andere deutsche Städte haben bereits kreative Wege gefunden, ihre Ampeln individueller zu gestalten. In Mainz leuchten die Mainzelmännchen, passend zum ZDF-Sitz. In Emden springt Komiker Otto Waalkes in seiner charakteristischen Hüpfpose über die Straße, während in München Pumuckl für Ordnung sorgt. Die Bremer Stadtmusikanten, Elvis Presley in Friedberg, Karl Marx in Trier oder das Petermännchen in Schwerin, die Liste ist lang und vielfältig.
Diese besonderen Ampelmännchen sind mehr als nur touristische Gags. Sie schaffen lokale Identität, wecken Emotionen und sorgen dafür, dass Menschen im Straßenverkehr aufmerksamer sind. Wer sich über eine originelle Ampel freut, achtet vielleicht besser auf das Signal. Und für Kinder sind vertraute Figuren ein zusätzlicher Anreiz, die Verkehrsregeln ernst zu nehmen.
Ernie und Bert sind perfekte Verkehrserzieher
NDR-Intendant Hendrik Lünenborg brachte es bei der Einweihung auf den Punkt: „Mit Ernie und Bert als Ampelmännchen wird jede Straßenüberquerung zur liebevollen Erinnerung an die wichtigste Straße unserer Kindheit. Wir im NDR freuen uns, dass Generationen von Zuschauern nun auch im Straßenverkehr auf alte Freunde treffen.“
Diese emotionale Komponente ist nicht zu unterschätzen. Für Eltern, die heute mit ihren Kindern unterwegs sind, waren Ernie und Bert Wegbegleiter der eigenen Kindheit. Jetzt können sie ihren Kindern dieselben Figuren zeigen. Nicht auf dem Bildschirm, sondern im echten Leben, wo sie eine wichtige Funktion erfüllen. Die Ampeln werden so zum Gesprächsanlass: Eltern können erklären, warum man bei Rot stehen bleibt, warum Ampeln wichtig sind und nebenbei Geschichten aus der Sesamstraße erzählen.
Für Kinder, die die Sesamstraße heute schauen (die Sendung läuft wochentags um 7:45 Uhr bei KiKA und ist jederzeit in der ARD Mediathek verfügbar), sind Ernie und Bert vertraute Gesichter. Sie kennen die beiden aus der App, von YouTube oder dem Fernseher. Wenn diese Figuren ihnen sagen, wann sie gehen dürfen, nehmen sie das ernst, schließlich vertrauen sie Ernie und Bert schon lange.
Verkehrserziehung verbindet Generationen
Als Väter und Eltern wissen wir: Kinder im Straßenverkehr sicher zu machen, ist eine der wichtigsten Aufgaben überhaupt. Schon ab dem dritten Lebensjahr sind Kinder häufiger zu Fuß unterwegs, zum Beispiel zur Kita, zum Spielplatz oder zu Freunden. Ab diesem Alter sollten wir ihnen kontinuierlich und spielerisch beibringen, wie sie sich im Straßenverkehr verhalten.
Die Grundregeln sind klar: Auf dem Gehweg bleiben, am Bordstein stoppen, nach links-rechts-links schauen, nur bei Grün gehen und selbst dann nochmal kontrollieren, ob wirklich alle Autos stehen. Kinder müssen lernen, dass sie sich nicht blind auf ein grünes Signal verlassen dürfen. Abbiegende Fahrzeuge, unaufmerksame Fahrer oder technische Defekte können immer eine Gefahr darstellen.
Ampeln bieten dabei eine große Hilfe. Sie geben klare Signale: Rot bedeutet Gefahr, Grün bedeutet (meist) freie Bahn. Doch damit Kinder diese Signale verinnerlichen, brauchen sie Wiederholung, Vorbilder und positive Verstärkung. Wenn wir selbst bei Rot über die Ampel huschen, lernen unsere Kinder das falsche Verhalten. Wenn wir geduldig warten und erklären, warum wir warten, prägt sich das ein.

Fazit: Wenn Kindheitshelden Verantwortung übernehmen
Ernie und Bert haben uns vieles beigebracht: Freundschaft, Toleranz, Neugier, den Umgang mit Unterschieden. Jetzt zeigen sie uns – oder besser: unseren Kindern – wie wichtig es ist, im Straßenverkehr aufmerksam zu sein. Sie tun das auf ihre unverwechselbare Art: Ernie mit Lebensfreude und Optimismus, Bert mit Geduld und einer Portion Griesgrämigkeit, die ihn so liebenswert macht.
Die Ampeln mit Ernie und Bert sind mehr als eine nette Idee. Sie sind ein Symbol dafür, wie öffentlicher Raum kreativ genutzt werden kann, um Bildung und Sicherheit zu fördern. Sie zeigen, dass Verkehrserziehung nicht trocken sein muss, sondern mit Humor und Herz funktioniert. Und sie erinnern uns daran, dass die Sesamstraße nach über 50 Jahren nichts von ihrer Relevanz verloren hat.








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