Mein Vater und Fernsehhelden meiner Kindheit

Gelegentlich geht es bei uns hier im Magazin um das Thema „Kinder und Medien“. Dabei äußern wir uns überwiegend kritisch zur übermäßigen Nutzung. Aus unserer Sicht sollten sich Kinder im KiTa-Alter noch nicht zu sehr mit Smartphones, Tablets und dem Fernseher auseinandersetzen. Die Eltern haben bei diesem Thema eine Vorbildfunktion, die sie nicht unterschätzen sollten. Nun hat uns jüngst der Anbieter Netflix aufgefordert, doch mal von unserer eigenen Fernseh-Historie zu berichten und insbesondere zu erzählen, welche Rolle unser Vater dabei gespielt hat.

Heute sind wir gewohnt, jederzeit genau das gucken zu können, was wir wollen. Dank TV-Rekorder, Video on Demand und hunderten von Kanälen, die rund um die Uhr raussenden, leben wir im Schlaraffenland der Television. Dazu dann noch die großen Flatscreens, Blue Ray und Heimkino-Soundsysteme. Wie sind wir ohne das alles früher eigentlich nicht vor Langeweile gestorben? Indem wir Fernsehen zu einem Happening gemacht haben. So war es zumindest bei mir.

Reisen wir also mal zurück und programmieren die Uhr am DeLorean auf die Mitte der Siebziger, als die Sperlinge noch Gamaschen trugen. Die tägliche Sendezeit war von etwa 15 bis 24 Uhr, es gab ARD, ZDF, NDR und dazu noch DDR 1 + 2 für das Sandmännchen und den Schwarzen Kanal. Meine Eltern hatten damals keinen eigenen Fernseher, bis ich zur Schule gekommen bin. Und ich kann mich auch nicht daran erinnern, eine dieser fetten schwarz/weiss-Kisten vermisst zu haben.

Trotzdem haben wir gelegentlich Fernsehen geguckt. Meist bei meinem Großeltern. Dazu haben wir das Programm der Tageszeitung gecheckt – und immer, wenn es ein Fußball-Länderspiel von Deutschland oder einen Film mit John Wayne gab, sind wir mit dem Auto oder dem Rad zu Oma und Opa. Da wurde sich mit Fußsack, Limo und Salzstangen auf die Couch gelümmelt und gemeinsam der Film geguckt. Der rauhbeinige Sheriff in dem roten Hemd wurde erste Idol meiner Kindheit. Ich wollte auch sehr gern später Cowboy werden. Filme wie Rio Bravo, El Dorado, Alamo und Die vier Söhne der Katie Elder waren lange Zeit ganz oben auf meiner Favoriten-Liste. Meistens habe ich mir die Filmbeschreibung aus der Hörzu meiner Großeltern ausgeschnitten und an meiner Pinnwand gesammelt.

Durch diesen eher spärlichen Kontakt zum Medium Fernsehen war ich nicht besonders abgehärtet. Das Intro vom Tatort, die ersten Minuten vom weißen Hai oder Eduard Zimmermann mit Aktenzeichen XY haben mir noch lange Zeit Angst gemacht. Mit 16 Jahren habe ich mir dann den ersten eigenen Fernseher gekauft, sogar in Farbe. Damit habe ich dann die enthaltsame Zeit wieder aufgeholt und bis spät abends gezappt.

Trotzdem zählen einige der Filmklassiker von damals immer noch zu meinen Lieblingsfilmen und der Leidenschaft für Western bin ich ebenfalls treu geblieben. Spiel mir das Lied vom Tod und Zwei glorreiche Halunken gehören neben Blues Brothers für mich zu den besten Filmen aller Zeiten. Und tatsächlich erinner ich mich dran, dass wir mit unseren eigenen Kindern auch irgendwann mal an einem feierlich inszenierten Abend zusammen Blues Brothers geguckt haben. Den sie im übrigen auch klasse fanden.

Insofern hoffe ich drauf, dass ich meinen Kindern ebenfalls die vernünftige Nutzung des Fernsehens verpulen kann – gern in Verbindung mit dem Schwerpunkt auf gute Filme und Serien. Das macht auf jeden Fall mehr Sinn, als sich planlos durch den Trash des täglichen Programmes zu kämpfen.

Habt Ihr auch Erlebnisse in Sachen „Vater und Fernsehen“? Dann erzählt sie uns, gern mit dem Hashtag #netflix