Die Masern grassieren in der Stadt Berlin und mit der Gefahr zu spaßen, kann schlimme, gar tödliche Folgen haben. Deswegen haben meine Frau und ich uns entschieden, unsere Kleine bis zur Impfung bzw. dem Einsetzen der Wirkung vom öffentlichen Leben abzumelden, sprich sie aus der Kita zu nehmen und auch sonst jeglichen Kontakt zu unnötig vielen Personen zu vermeiden – keine kleine Herausforderung.

Fatalerweise schätzen ein Drittel der Eltern Masern als ungefährliche Kinderkrankheit ein. Dies geht aus einer Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hervor. Vor Einführung der Impfung erkrankten fast alle Kinder daran, und zwar weil Masern, ebenso wie Mumps und Röteln, hochgradig ansteckend sind. Daher die irrende Annahme, es handle sich um eine Kinderkrankheit. Aber: auch Jugendliche und Erwachsene können sich sehr wohl ebenfalls anstecken!

Masern beginnen mit grippeähnlichen Symptomen wie Husten, Schupfen und hohem Fieber. Erst einige Tage später entwickelt sich der typische Masern-Ausschlag, meistens zuerst im Gesicht. In der Folge können Bronchitis, Mittelohr- und Lungenentzündungen auftreten. Bei etwa einem von 1.000 Erkrankten kann es zu einer lebensbedrohlichen Entzündung des Gehirns kommen, die Jahre später einen Gehirnzerfall zur Folge haben kann, was immer tödlich verläuft. Entsprechend kann man sich vorstellen, was in einem vorgeht, wenn das eigene Kind, ich sag mal, zur „Risikozielgruppe“ gehört.

Nun also, haben wir unser Schätzchen aus dem potentiellen Virenherd der Kita nach Hause geholt und mit Schwiegermutter jene helfende Hand, ohne die all das gar nicht zu stemmen wäre. Wie im letzten Teil bereits erwähnt, hat sich in diese unverhoffte Familienzusammenführung direkt eine Extra-Challenge eingeschlichen, da sich unser Zuckermäuschen erst mal eine Runde Halsschmerzen eingefangen hat. Wenn schon keine schicken roten Punkte, dann doch zumindest ein Wehwehchen light, sozusagen. Zu Halsschmerzen bei Babys sei angemerkt, dass sie dann schlicht keine Lust haben, zu essen. Logisch eigentlich, muss man aber auch erst mal drauf kommen. Bzw.: aus der vermeintlichen Appetitlosigkeit, gepaart mit leichtem Mundgeruch, können wir dank amerikanischer Suchmaschine des Rätsels Lösung ableiten und entsprechend aktiv werden, sprich zum Arzt gehen, der bzw. die schließlich Paracetamol-Zäpfchen verschreibt. Meine Schwiegermutter lässt sich glücklicherweise jedoch auch aus dem daraus resultierenden Dauernörgel-Faktor die Freude an ihrer Enkelin nicht nehmen.

Auf meine Produktivität zahlt die neue Situation auch nicht gerade ein. Aber selber Schuld, wollte ich mir doch bereits seit langer Zeit einen externen Büroplatz gesucht haben. Während sich Oma nun täglich bis zur totalen Erschöpfung der Rund-um-die-Uhr Bespaßung unserer Tochter hingibt und ich quasi mittendrin versuche, meine Arbeit zu tun, rast die Zeit einerseits, wie sie andererseits nicht vergehen will. Und da niemand gesagt hat, dass es einfach werden würde, geben sich die beiden Damen in Sachen Krankheit quasi die Klinke in die Hand: mit Anbruch der zweiten Woche fesselt es also meine Schwiegermutter ans Bett. Nicht ans eigene, wohlgermerkt, sondern an so ein undankbares, aufblasbares Gummiding fernab der Heimat. Krank sein is ja schon scheiße, aber dann noch im fremden Bett? Sehr ungeil. Sie tut mir doppelt leid. Und trotzdem boxt sie mit ihrem unerschütterlichen Mutter- bzw. Oma-Instinkt in der Folge auch noch die Betreuung unserer Kleinen durch. Noch mal: Hut ab, Respekt und ein riesengroßes Dankeschön!

Schließlich ist der Tag der Impfung, zumindest der ersten, gekommen! Unsere Süße steckt den Piekser in den rechten Oberschenkel einmal mehr mit Bravour weg, wobei natürlich auch ein paar Tränen kullern. Aber: geschafft! Der zweite Teil der MMR-Impfung (Masern, Mumps, Röteln) erfolgt dann etwa ein knappes Jahr später, wobei bereits mit der ersten ein solider Schutz gewährleistet ist. Aber: die zweite in keinem Fall verschludern! Die Ärztin rät, die Kleine eigentlich noch eine Woche zu Hause zu lassen, um sich schließlich zu der Aussage hinreißen zu lassen, dass „man sie zur Not auch schon am Montag“ wieder in die Kita geben könne. Da wir alle mittlerweile an unsere jeweiligen Grenzen gestoßen sind, nehmen wir diese Flanke dankbar an. Schwiegermutter, mittlerweile wieder einigermaßen hergestellt und transportfähig, macht sich nach knapp zwei Wochen Nahkampf mit Mini-Me auf die Heimreise und meine Frau und ich sind gespannt, ob die Kleine die Kita und ihr Innenleben überhaupt wieder erkennt und sich entsprechend wieder einlebt. Der Montagmorgen bringt die erleichternde Erkenntnis: kein Problem, Engelchen fühlt sich wohl, als wäre nichts gewesen. Immerhin! Eine Woche bis zehn Tage nach der Impfung können Masern-ähnliche Symptome auftreten, die weder gefährlich, noch ansteckend sind, das Kind jedoch schwächen können. Eine Woche ist nun vorbei, und die Kleine hat rote Backen wie ein Boskopp und sabbert wie ein Wasserfall. Das aber, sind bloß die nächsten Zähne, die sich ankündigen. Und weiter geht die wilde Fahrt…

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