Nach längerer Zeit gibt es heute mal wieder ein lesenswertes Interview für Euch, denn ich habe meinem Buddy und Kollegen Sascha Schlichte ein paar Fragen zum Job und Familienalltag gestellt. Als Teenager waren wir beim Handball gemeinsam auf der Platte und haben von der Karriere auf dem Hallenparkett geträumt. Heute sind wir Kollegen und verdienen unsere Brötchen als Personalberater. Wie der Alltag aussieht, wie sich Berufswünsche verändern und wie sich das auf das Patchwork-Familienleben auswirkt, hat er mir beantwortet.

Hier sind die Antworten von SASCHA SCHLICHTE:

Deine Firma „Drei Grad“ bietet Personalberatung, Forensik, Sport… Was verbirgt sich genau dahinter?
Wir sind eine klassische Personalberatung, die sich im Mandantenauftrag um die Vermittlung von Fach- und Führungskräften kümmert. Der Volksmund nennt uns Headhunter, wenngleich ich diese Begrifflichkeit nicht gerne nutze, da sie tatsächlich nur einen Teil unseres Leistungsspektrums widerspiegelt. Die Forensik ist ein zweiter Bereich unseres Unternehmens, bei dem es um das hoch sensible Thema der Mitarbeiterkriminalität geht. Wir kommen dann ins „Spiel“, sobald ein Anfangsverdacht entstanden ist und Unternehmen in diesem Kontext noch keine staatlichen Organe einschalten wollen. Mit Instrumenten wie der Gesprächs-Forensik als auch der IT-Forensik versuchen wir dann, diese Verdachtsmomente zu entkräften oder aber auch nachhaltig zu bestätigen. Der dritte Bereich, Drei Grad Sports, kümmert sich um die Vermarktung als auch Begleitung von professionellen Sportlern. Alle drei Segmente werden von erfahrenen Beratern begleitet, so dass wir mit einer deutlichen Fachexpertise und Nachhaltigkeit in den relevanten Märkten agieren.

Mit Deiner Firma vermittelst Du Führungskräfte. Haben sich die Ansprüche der Kandidaten durch die vielzitierte Work-Life-Balance geändert?
Es ist in der Tat eine gewisse Tendenz erkennbar. Waren vor sechs, sieben Jahren noch eine Vielzahl von Führungskräften bereit, 50 – 60 Stunden Wochen zu absolvieren, sehen wir uns heutzutage immer häufiger der Frage ausgesetzt, inwieweit Familie & Co. mit dem relevanten Job in Einklang zu bringen sind.

Für wie familienfreundlich hältst Du die deutschen Unternehmen?
Das kann man so pauschal nicht beantworten, da jeder eine ganz eigene Definition der Familienfreundlichkeit hat. Der Eine legt Wert auf geregelte Arbeitszeiten, während der andere viel mehr Wert auf eine finanzielle Unterstützung bei der Kinderbetreuung legt. Ein Dritter möchte wiederum wenig beruflich reisen müssen, so dass jeder Fall somit individuell beleuchtet werden muss. Was man jedoch pauschal sagen kann ist: je größer die Verantwortung, desto weniger Zeit bleibt für die Familie oder es benötigt ein konsequentes Zeit-Management. Alles in Allem denke ich jedoch, dass wir in Deutschland schon ziemlich gut aufgestellt sind.

Du warst mal Geschäftsführer und Manager eines Bundesliga-Handballclubs. Was waren da die Herausforderungen?
Ich war mit damals 27 Jahren noch sehr, sehr jung und hatte den Anspruch an mich selbst, alles perfekt lösen zu wollen. Schnell stellte sich mir dann die Frage: wie bekomme ich einen 24/7-Job gemanagt, ohne mich darin zu verlieren? In dieser Zeit habe ich viel über mich selbst gelernt, tolle und wahnsinnig wertvolle Menschen kennenlernen dürfen aber auch erkennen müssen, dass der professionelle Sport ein Tummelplatz für Profilneurosen ist – insbesondere auf Funktionärsebene. Die Erfahrungen über den Menschen mit seinen psychologischen Stärken als auch Defiziten kommen mir aber auch noch heutzutage in meinem Job zu Gute.

Ihr seid eine Patchwork-Familie mit zwei Kindern, Haus und Hund und arbeitet beide. Wie organisiert Ihr Euren Alltag?
Eine unserer wesentlichen Stärken ist, dass wir uns in der Organisation des Alltags nahezu blind verstehen. Das macht vieles einfacher, wenngleich meine Partnerin in diesem Bereich noch deutlich effektiver ist, als ich. Allerdings sehen wir beide unsere Arbeit nicht als Belastung sondern vielmehr als Bereicherung unseres Lebens – aus diesem Grunde haben wir wahrscheinlich auch den Weg in die Selbstständigkeit gewählt und sind somit ein stückweit freier in der Zeitgestaltung. Zudem haben wir eine tolle Familie im Hintergrund, die uns jederzeit zur Seite steht, wenn wir sie benötigen. Wir wissen das sehr zu schätzen.

Eure älteste Tochter ist 11 Jahre. Hält da schon die Pubertät Einzug und was ändert sich dadurch?
Ja, die Pubertät hat seit ein paar Monaten einen Platz in unserem Haus eingenommen. Auf der einen Seite quittieren wir diese neue Wesensart mit einem Lächeln und einer gewissen Lässigkeit, auf der anderen Seite müssen wir jedoch auch aufmerksam bleiben, da sich die Herausforderungen als auch Gefahren, die sich unseren Kindern heutzutage auftun, andere sind, als noch zu unserer Jugendzeit.

Du befasst Dich intensiv mit dem Berufsleben. Welchen Weg wünschst Du Dir für Deine Kinder?
Mir ist es wichtig, dass sie das tun, was ihnen Freude bereitet. Wer Freude empfindet, ist bereit, weitere Wege zu gehen und auch mal hinter die eine oder andere Ecke zu schauen. Interessanterweise ist das Thema der Berufswahl mittlerweile durchaus in den Gesprächen mit der ältesten Tochter wiederzufinden und das, obwohl sie erst 11 Jahre alt ist. Oft bekommen wir dann zu hören, dass sie genau das beruflich tun möchte, was wir tun. An dem einen Tag ist es die Karriere im Fernsehen als Moderatorin, am anderen Tag möchte sie meine Firma irgendwann mal übernehmen. Auch wenn das alles schlussendlich noch nicht spruchreif ist, ist jedoch eine Erkenntnis eine sehr wichtige: wer erfolgreicher sein möchte, als die breite Masse, muss verstehen, dass er mehr machen muss, als die breite Masse ! Das ist ein Leitsatz, den wir ihr immer wieder mit auf den Weg geben.

Du kommst aus Lübeck und wohnst nach einer Station in Hamburg heute in Berlin. Wo lebt es sich am besten?
Ich liebe Berlin! Auch wenn ich ein klassisches Nordlicht bin, so habe ich mein Herz an die Hauptstadt verloren. Wir wohnen nicht mittendrin, sondern am südlichen Rand mit viel, viel Natur und ganz viel Wasser. Allerdings bin ich in 15 Minuten in Berlin Mitte, dort wo das Leben pulsiert, dort wo man so viele unterschiedliche Individuen auf komprimiertem Raum antreffen kann. Zudem ist das Wetter hier deutlich stabiler als an der Küste.

Der perfekte Familienurlaub sieht bei Euch wie aus?
Sonne, Schnee oder auch Wandern – alles ohne Termine und einem Handy, was einen permanent daran erinnert, dass es etwas zu tun gibt!

Hast Du auch mal „Me Time“, also nur für Dich allein? Was machst Du dann?
Me-Time ist bei dem Programm, was ich täglich fahre, schon ein Luxus-Gut. Nichtsdestotrotz gibt es Momente, an denen ich wirklich den Kopf ausmache und auch ausmachen muss. Ob es nun beim Spaziergang mit meinem Hund ist oder auch beim Bierchen mit Freunden. Ich weiß es zu genießen, freue mich dann aber auch wieder auf den etwas turbulenten Teil meines Lebens.

Mein lieber Sascha, vielen Dank für die spannenden Einblicke. Und wenn Euch also bald mal ein Headhunter anfunkt, dann wisst Ihr jetzt, wie es am anderen Ende der Leitung aussieht…

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