Ein Motorsport-Wochenende unter 300 Euro? Geht das überhaupt? In der Königsklasse Formel 1 bekommst Du für das Geld noch nicht mal ein Parkticket im Umkreis von 50 Kilometern der Rennstrecke. Und dann erwartet Dich ein gelecktes Rennzirkus-Spektakel, wo Deine Kinder in der 300 Meter langen Schlange stehen, um in der 30-minütigen Autogrammstunde der Fahrer das begehrte Edding-Gekritzel zu bekommen.

VLN am Nürburgring
Ja, der Zeitplan für PR-Termine ist eng gestrickt und die Teams müssen sich an das halten, was der Bernie Ihnen vorschreibt. Am Ende bleibt dem Besucher die Erinnerung an einen Mördersound der Formel-1-Wagen und an ein, je nach Tribünenplatz, minder spektakuläres oder nach rund einer Stunde eintöniges Rennen, wenn die Boliden zum x-ten Mal mit V-Max an Dir vorbeirasen. Den Kindern ist es sowieso nicht zu erklären, in welchem Wagen welcher Fahrer sitzt oder Sie haben es schnell wieder vergessen. Was bleibt dann unterm Strich für die Kleinen? Lange Wartezeiten, ein Kringel auf der Vettel-Kappe, Ohropax und je nach Wetterlage Sonnenbrand oder Blasenentzündung. Okay, das ist jetzt ein wenig überspitzt, aber ich kann mich auch weit aus dem Fenster lehnen, denn ich habe alles im Rahmen meiner Arbeit als PR-Fuzzi am Nürburgring mitgemacht: Formel 1, DTM, Oldtimer-Grandprix, Superbike-WM und unzählige Male VLN, die Langstreckenmeisterschaft, für die ich heute eine Lanze brechen muss. Es gibt einfach kein Motorsport-Event in Deutschland, das für Daddies mit ihren Kindern für den Eintrittspreis von 15 Euro mehr hautnahes Erlebnis von echtem Rennsport bietet. Hier kämpfen Renault Clio und Porsche 911 gegen die Widrigkeiten der Nordschleife. Privatteams und große Hersteller haben das gleiche Ziel: Durchkommen! Ohne Einschlag!

Haribo mach Kinder froh
Schon beim Besuch des Fahrerlagers taucht man in die echte Motorsport-Welt ab. Dort stehen sie, die großen Marken-Teams von Aston Martin, Dodge, Volkswagen und Audi neben den kleinen Privatfahrern, die ihre seriennahen Kleinwagen vor den Augen der Zuschauer mit Panzer-Tape zusammenflicken oder notdürftig am Motor oder Getriebe rumfrickeln, weil sich das Scheißding mal wieder nicht in den fünften Gang schalten lässt. Selbst die größeren Teams lassen tief blicken. Bei Falken Motorsports beispielsweise wurde schon der Motor und das Getriebe des Porsche 911 GT3R vor den Augen der Fans ausgetauscht. Solch eine Teamarbeit siehst Du bei keinem Formel-1-Rennen, da sich dort so ziemlich alles hinter verschlossenen Türen abspielt. In Bernies Rennzirkus gleicht das Fahrerlager eher einem Rastplatz an der Autobahn am Samstagnachmittag um 17 Uhr: LKW an LKW, der einzige Unterschied sind die Fähnchen im Wind.

Pit Lane am Nürburgring
In der VLN ist selbst ein Besuch in der Box, der Hauptschlagader des Renngeschehens, ohne Probleme möglich, solange die Motoren ruhen. Ich habe es auch schon erlebt, das der ein oder andere Besucher mit seinem Kind auch während des Qualifyings in der Box zugeschaut hat. Das kommt auf das Team an und wenn man die richtige Person fragt, ist ein kurzer Besuch oft kein Problem. Am Nürburgring, der Mutter aller Rennstrecken, bietet sich im Rahmen eines VLN-Rennens eine Backstage-Führung an, die noch weitere Einblicke in den Motorsport bietet. Sicherlich dann eher etwas für die Jungs und Mädels ab 5 Jahren, zumal die Laufwege am Ring nicht zu verachten sind. Wer dann noch genug Platz im Kofferraum hat, der kann nach dem Rennen als Souvenir einen abgefahrenen Renn-Slick mit nach Hause nehmen, den die Teams an Kinder verschenken. Glasplatte drauf und fertig ist der Tisch für Kinderzimmer oder Vattis Rückzugs-Räumlichkeiten.

Nordschleife
Kommen wir abschließend zur Rennstrecke. Der Nürburgring liegt im beschaulichen Niemandsland der Republik. Wenn Du Deinen Kindern zeigen willst, wie unberührte Natur aussieht, dann gönn Dir eine Extra-Stunde Autofahrt durch die umliegenden Ortschaften von Mutter Nordschleife. Diese wiederum bietet eine Vielzahl von sehr guten Zuschauerplätzen auf Streckenabschnitten wie Brünnchen, Hohe Acht, Flugplatz oder Pflanzgarten. Abseits des 24h-Rennens ist das auch für Kinder zumutbar, denn während des Klassikers ist vielleicht ein bisschen zu viel Alkohol bei den Fans im Spiel, um sich mit Kind auch wirklich wohl zu fühlen. Zu den Streckenabschnitten kommt man mit dem Shuttle-Bus oder mit dem eigenen Auto, aber hier kann sich der Verkehr stauen und es kann zu längeren Wartezeiten kommen. Am besten fragt man die Fahrer der Media-Shuttle-Busse, die am großen Tower am Eingang des Fahrerlagers auf die Presseleute warten. Sie sind über Funk bestens informiert, welche Streckenabschnitte zu welcher Zeit ohne Probleme anzufahren sind.

An der Start-/Zielgeraden der Grand-Prix-Strecke befindet sich der Boulevard mit überschaubaren Attraktionen wie Kino, Kletterparcours, Kartbahn und Ladenlokalen, wenn sie denn vermietet sind. Der Boulevard ist Teil der „Neuausrichtung“ des Nürburgrings als Ganzjahresdestination. Aber das ist eine andere Geschichte…

Start- Zielgerade Nürburgring
Wer sparen will, der mietet sich in die unzähligen Pensionen ein, die rund um den Ring zu finden sind. Dort haben Mutter und Vater, nachdem die Kinder so schnell wie möglich in die zivilisierteren Ballungsräume geflüchtet sind, Kinderzimmer und Dachboden für Ringbesucher ausgebaut. Wenn nicht gerade der Formel-1-Zirkus in der Eifel halt macht, dann liegen die Preise bei 35 Euro die Nacht. Und morgens gibt es dann Frühstück im Esszimmer des Hauses. Da kann man sich schon mal vorkommen, als wäre man zum ersten Mal nach einer durchzechten Nacht bei den Eltern der Freundin. So ungefähr.

Kai im Einsatz
Kurzum bietet der Ring für Vater und Kind (okay, die Mutti kann ja gerne mitkommen) an einem VLN-Wochenende eine ordentliche Portion Adrenalin ohne große Wartezeiten oder Menschenmassen auf kleinem Raum. Die Kinder können hautnah Rennsport schnuppern und auch noch etwas für zuhause mitnehmen. Man trifft die Fahrer im Fahrerlager oder kann vor den Rennwagen posieren. Die Eifel als Ausflugsziel ist landschaftlich nicht zu verachten und bietet ebenfalls noch den ein oder anderen Spaziergang oder eine Bootstour über Vulkanseen.

Rechnen wir zusammen:

Fahrtkosten: eine Tankfüllung á 90 Euro als Mittelwert
Übernachtung: 70 Euro (1 Nacht, zwei Personen, mit Frühstück)
Eintrittspreis: 30 Euro / 2 Personen
Backstagetour: 15 Euro / 2 Personen
(Optional) Kombiticket ring°werk plus Backstagetour: 36 Euro (Erw. Plus Kind 5 – 11 Jahre)
Plus 50 Euro Verpflegung am Tag.

Der FALKEN auf Fuchsjagd
Alles in allem liegen Vater und Kind dann bei etwas über 250 Euro Fixkosten, wenn eine Übernachtung geplant sein sollte. Wenn man den Gastbeitrag von Jens Stratmann über den Besuch eines Kinofilms liest, dann ist das ein Witz für das, was einem am Nürburgring geboten wird. Und wir liegen hier bei einem Tagesbesuch nicht wirklich unter den Kosten eines guten Freizeitparks. Mal etwas anderes für die Väter, die kein Bock auf Schlange stehen und vielleicht selbst Lust auf Beschleunigung, Gummiabrieb und derben Sound in der Grünen Hölle haben.

Hier ein paar Links für die eigene Planung:
Termine: www.vln.de
Backstagetour / Wetterlage (Wichtig!): www.nuerburgring.de
Pensionen: www.tourist-info-nuerburg.de

Und wie sich so eine Runde auf der Nordschleife auf dem Fahrersitz anfühlt seht ihr hier:

Fotocredits: Falken Motorsports, Mark Bourichter

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