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Wie Ihr vielleicht schon mitbekommen habt, schreiben wir auch als Gastautoren für diverse Magazine und Online-Portale. Unter anderem ist in der aktuellen Ausgabe der Men’s Health Dad ein Text von uns zu finden. Nicht nur deshalb lohnt der Kauf des Magazins, auch die anderen Geschichten sind klasse. Unsere Aufgabe war gar nicht so einfach, denn es ging in dem Artikel darum, einen Vater zu interviewen, der seine Familie für eine andere verlassen hat. Bitte sehr:

„Eine Beziehung nur der Kinder wegen? Niemals!“

Um klarer zu sehen, muss man manches im gewissen zeitlichen Abstand neu betrachten – eine Trennung etwa. Interview mit einem Mann, der vor 10 Jahren eine Familie gegen eine andere tauschte.

Als Sie Ihre Frau verlassen haben, waren Ihre Töchter 6 und 8 Jahre alt. Wie kam es damals zu der Entscheidung?

Ich war gerade mit meiner Frau und den Mädchen in ein Neubaugebiet gezogen. Damals war ich Mitte 30 und mit meiner Frau 11 Jahre verheiratet. In unserer Beziehung hatte der Alltag das Feuer größtenteils verdrängt. Ich war aber gar nicht unzufrieden und daher auch eigent­lich gar nicht auf der Suche nach einem Abenteuer. Aber plötzlich entwickelte ich Gefühle für eine verheiratete Frau aus unserem Freundeskreis, die über Freundschaft hinausgingen. Das irritierte mich anfangs, denn unsere Familien kannten sich schon länger. Aber da es ihr auch so ging und wir uns ineinander verliebten, begannen wir eine Affäre.

Was hat endgültig zur Trennung geführt?

Ich bin nicht der Typ, der sich in einer langen Affäre wohlfühlt. Ich merkte, dass ich eine Entscheidung zu treffen hatte. Und weil ich an sich konsequent bin, habe ich mich vor meiner Frau getrennt. Ohne mir damals sicher zu sein, dass auch die neue Partnerin ihre Familie, Mann und ebenfalls zwei Töchter, aufgeben würde. Sie hat dann allerdings auch bald diese Entscheidung getroffen.

Wie ging die Trennung über die Bühne?

Wir haben zu Anfang versucht, alles selbst zu regeln. Aber das Beenden einer Ehe mit Kindern führt fast zwangsläufig zum Scheidungsrichter. In meinem Fall gab es dabei sogar etwas zu lachen, denn laut Aussage meiner Anwältin sind es genau diese Neubaugebiete, die den Scheidungsmarkt am Laufen halten. Offensichtlich führt das „Kind zeugen, Baum pflanzen, Haus bauen“ bei vielen Männern zur Sinnkrise. Sie stellen sich dann die Frage, was sie jetzt noch vom Leben zu erwarten haben und ob es noch Spannung und Romantik geben wird. Da es den Mamas in den frisch bezogenen Häusern offensichtlich ähnlich geht, ist der Weg zu neuen Ufern recht einfach.

Haben die Kinder Ihre Entscheidung ­beeinflusst oder vielleicht verzögert?

Ohne Kinder hätte ich meine Ehe wahrscheinlich schon früher infrage gestellt. So brauchte es schon einen konkreten Anlass, um den Absprung zu schaffen. Meine Kinder haben es aber nicht wirklich beeinflusst, denn ich wusste, dass wir als Paar einfach nicht mehr funktionieren. Meine Entscheidung haben sie minimal verzögert, aber nicht wirklich verhindern können. In diesem Fall hielt ich ein Weiterführen der Beziehung nur wegen der Kinder für nicht machbar.

Wann haben Sie und Ihre Frau Ihren Töchtern von der Trennung erzählt?

Den Kleinen macht man nichts vor. Daher kann man in der Situation, wenn Papa auszieht, keine Geschichten erfinden. Meine Töchter waren damals im Grundschulalter und somit durchaus in der Lage, Papas Auszug zu hinterfragen. Daher haben wir es ihnen früh erzählt.

Und muss man Kindern in diesem Alter auch schon erklären, dass sie nicht schuld an der Trennung der Eltern sind?

Zum Glück haben sie die Schuld nicht bei sich selbst gesucht. Aber es war für sie auch so schon schwer genug. Da war es eigentlich gut, dass sie nicht noch glaubten, selbst Fehler gemacht zu haben.

Thema Sorgerecht: Wie oft konnten Sie Ihre Töchter nach dem Auszug sehen?

Nach dem lang andauernden Scheidungsprozess waren meine Kinder alle 14 Tage übers Wochenende bei mir und wuchsen ansonsten bei der Mutter auf. Diese Lösung hatte reichlich Zündstoff, denn auch meine neue Frau hatte zwei Töchter im gleichen Alter und ihren Mann für unsere neue Beziehung ver­lassen. Ein Zusammentreffen der Kinder war somit nicht die große, lustige Patchworkfamilie, sondern eher ein fragiles Konstrukt, dessen Zusammenhalt mit großem Aufwand verbunden war.

Wie veränderte sich nach der Trennung das Verhältnis zu Ihren Töchtern?

Meine Kinder sahen verständlicherweise mich als denjenigen an, der für das Scheitern der Beziehung verantwortlich war. Das brachte insbesondere das Verhältnis zu meiner älteren Tochter ins Wanken. Zu Anfang waren die Besuchszeiten noch regelmäßig, aber mit dem Beginn der Pubertät weichten sich die planbaren Besuche immer weiter auf. Und dann passierte etwas, das zum endgültigen Bruch mit meiner ersten Tochter führte – als meine neue Frau dann von mir schwanger wurde.

Silhouette of a angry husband and wife  on each other with their daughter standing in the middle.

Mal abgesehen von Ihrer neuen Frau: Hatten Sie in dieser schwierigen Phase jemanden, der Sie unterstützt hat?

In so einer Situation merkt man schnell, wer die wahren Freunde sind. Zum Glück hatte ich ein paar Freunde und Verwandte, die mich unterstützt haben. Die Trennung war auch für mich recht schmerzhaft. Da war ich froh, mit meinen Sorgen und der Verzweiflung nicht allein und von Leuten umgeben zu sein, die mich nicht durchweg verurteilen. Wir sind im Sinne der Kinder im gleichen Ort wohnen geblieben. Daher waren wir noch recht lange das Thema des Tages an der Supermarktkasse. Aber an diese Tuscheleien habe ich mich schnell gewöhnt.

Ihre Neue hatte ja auch bereits 2 Töchter. Wie lief das mit den beiden?

Die waren gerade aus einer heilen Familie gerissen worden. Daher haben sie mich nicht unbedingt mit offenen Armen empfangen. Im Laufe der Zeit haben wir uns aber ganz gut zusammengerauft. Auch meine Mädchen haben sie später kennengelernt. Aber durch die Wochenendlösung meiner Kinder war es nicht leicht, die 4 Mädels hatten eigene Freundeskreise, jede machte ihr Ding.

Wie ist heute das Verhältnis zu Ihrer Ex?

Es ist eher schwierig, aber wir kriegen die wichtigsten Dinge gut organisiert. Die Zeit seit der Trennung war für alle aufreibend, Patchwork ist alles andere als ein einfaches, kunterbuntes Familien­modell. Vielmehr bedeutet es oft auch Streit, Tränen und Enttäuschungen für alle. Das wünsche ich in der Form, wie ich es erlebt habe, eigentlich keinem.

Sie haben erwähnt, dass Sie mit Ihrer neuen Partnerin noch ein Kind ­bekommen haben. War das geplant?

Nein, es war keine geplante Schwangerschaft. Aber es gab auch keine Überlegung, sich gegen ein gemeinsames Kind zu entscheiden. Sicherlich hat es die Situation mit unseren Kindern nicht gerade entspannt. Aber für mich persönlich war die Geburt meines Sohnes das Größte.

Glauben Sie eigentlich, dass sich Paare heutzutage zu schnell trennen und zu wenig umeinander kämpfen?

Im Vergleich zu der Generation unserer Eltern ist das so. Das Leben ist kurzweiliger, man ist schneller unzufrieden, und früher hat man sich sicherlich oft durchgebissen, ohne komplett glücklich zu sein. Heute sind viele dazu nicht bereit. Man kann probieren, mit Paartherapie etwas zu retten, oder Versuche starten, sich wieder zu verlieben. Aber wir müssen uns wohl dran gewöhnen, dass viele Kinder mehr als zwei Elternteile haben.

Die Trennung von Ihrer ersten Familie liegt inzwischen 10 Jahre zurück. Würden Sie rückblickend etwas anders machen?

Vieles hätte besser laufen können. Ich hätte es mir trotz der seelischen Schmerzen von Beginn an fair und im Sinne
der Kinder gewünscht. Nur so kann man das Verhältnis zu den Kindern aufrechterhalten. Insofern würde ich wesentlich stärker um meine Rechte kämpfen.

Haben Sie einen Rat an Väter, die in ­einer ähnlichen Situation sind?

Kämpft von Beginn an für eure Rechte, auch wenn ihr euch insbesondere zu Anfang schuldig fühlt und euch die meisten Leute auch vermitteln, dass man sich
gefälligst schuldig zu fühlen hat. Macht euch gerade, auch wenn ihr euch von Frau und Kindern trennt. Besteht auf
eurem Besuchsrecht, und zieht euch nicht auf Druck des Umfeldes zurück. Die Kinder brauchen euch — vielleicht sogar insbesondere im Prozess der Trennung. Daher sollte es bestenfalls von Anfang an eine faire Betreuungslösung geben. Kinder sind nicht schuld und sollten ­daher nicht die Leidtragenden sein.

Diese und mehr Geschichten lest Ihr in der aktuellen Men’s Health Dad.

Fotos: oben © Daddylicious // unten © Fotolia (inesbazdar)

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