Üblicherweise suchen wir in dieser Kategorie das perfekte Familienauto. Dabei achten wir auf ein hohes Maß an Wirtschaftlichkeit, Komfort und Funktionalität. Für wen diese Attribute entscheidende Kriterien bei der Suche nach einem Fahrzeug sind, der sollte lieber nicht weiterlesen. Denn der Mitsubishi Pajero ist aus anderem Holz geschnitzt. Er ist eine kantige Wuchtbrumme und strotzt vor Kraft. Ein Auto für den Kerl im Papapelz. Daher sind wir ihn zur Probe gefahren.

Mitsubishi_pajero-frontansicht

Das Design

Der Mitsubishi Pajero wurde nicht im Windkanal entwickelt, das ist mal klar. An dem Auto ist alles groß und nichts ist schnittig. Kühler, Lampen und die ganze Front wirkt ziemlich üppig mit glänzenden Chrom-Applikationen, die sich auch an den Seitenspiegeln, den Türgriffen und an den Einstiegen wiederfinden. Privacy-Verglasung gibt der Seitenlinie ein bißchen VIP-Optik wie bei Staatskarossen. Und bereits in der Basisversion hat das mächtige SUV 17“ Leichtmetallfelgen. Der fünfte Ersatz-Schlappen hängt mittig am Heck, wie es sich für reinrassige Geländewagen gehört. Die Dachreling ist bereits Indiz für die mögliche Zuladung. Dafür braucht man allerdings eine Trittleiter, denn mit fast 1,90 Metern ist der Mitsubishi Pajero ein echter Riese, gerade noch in der Norm für Parkhäuser und Waschanlagen. Aber das ist nicht wirklich sein bevorzugtes Terrain. Ach, nur das Panoramadach gibt dem Kraftpaket den Touch eines Familienautos. Zehn Lackfarben sind wählbar, zwei Weiß-Töne, dazu Silber, Grau und Braun mit Metallic-Effekt oder Rot, Grün und Schwarz mit Perleffekt. Aber im Herzen steht er am liebsten auf Matschbraun.

Mitsubishi_pajero-heckansicht

Der Mitsubishi Pajero im Innenraum

Auch nach dem Klettern auf den Vordersitz setzt sich der puristische, kraftvolle Eindruck fort. Die Sitze gibt es mit schwarzen Stoff oder in schwarzem oder beigen Leder. Die Sitzposition und die Sicht ist super, ich stehe sehr darauf, über den anderen Verkehrsteilnehmern zu thronen. Das Multifunktionslenkrad und die Armaturen wirken edel, aber nicht besonders modern. Nicht alle Knöpfe erschließen sich auf den ersten Blick, sind somit auch nicht intuitiv zu bedienen. Aber nach einiger Zeit ist die Bedienung doch recht einfach. Die Handbremse wird noch klassisch hochgezogen, ansonsten gibt es in unserer Testversion Pajero TOP ein 7“ Touch-Display, zwei SD-Kartenschächte und eine Radio-CD-MP3-Kombination.

Mitsubishi_pajero-lenkrad

Kinder auf der Rückbank

Na klar dürfen Kinder mitfahren. Unsere Tochter fand das Auto super, in das sie so richtig hochkrabbeln muss. Allerdings offenbart sich auf der Rückbank ein großes Manko: die zwei Isofix-Anschlüsse sind leicht zur Mitte versetzt. Dadurch muss für Kinder, die in einem Isofix-Kindersitz mit dem normalen Gurt festgeschnallt werden, der mittlere Gurtanschluss genutzt werden. Und das führt dazu, dass nur ein Kind in einem Isofix-Sitz mitfahren kann, wenn der Sitz kein eigenes Gurtsystem hat. Das disqualifiziert den Mitsubishi Pajero als Daily Driver für kinderreiche Familien. Aber mit diesem Anspruch, ein Familienauto zu sein, rollt dieses Modell auch nicht seit über 30 Jahren vom Band. Er ist ein klassischer Offroader, der etwa 2,4 Tonnen auf die Waage bringt und in der Lage ist, sogar bis zu 3,5 Tonnen Anhängelast einen Berg hochzuziehen. Diese extreme Zuglast ist eine der Features, die ihresgleichen sucht.

Mitsubishi_pajero-kindersitz

Pistensau statt Rennwagen

190 PS sorgen für eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h, aber stundenlange Ausfahrten auf der linken Spur der Autobahn sind im Mitsubishi Pajero auch eher unwahrscheinlich. Denn Matsch, Geröll, Wasser und Sandpisten sind das Geläuf, auf dem sich das SUV wohlfühlt. Und spätestens, wenn ihr zum ersten Mal offroad auf Achse seid, solltet ihr die Unterschiede der Antriebsarten des permanenten Allradantriebs, des Heckantriebs sowie des Allradantriebs mit gesperrtem Mittendifferenzial kennen. Mit etwas Übung meistert ihr mit dem Auto dann bis zu 45° seitlichem Neigungswinkel, 70% Steigfähigkeit und 700mm Wattiefe.

Mitsubishi_pajero-kupplung

Modellvarianten und Preise

Den Mitsubishi Pajero bekommt ihr im Konfigurator in vier Ausstattungsvarianten: BASIS, PLUS, Edition 100 und TOP. Preise starten bei 35.990 Euro für den 3-Türer und 39.990 Euro für den 5-Türer. Einfach wird es bei der Wahl der Motorisierung, denn derzeit gibt es nur den 3.2 DI-D 4WD mit Automatikgetriebe. Bei unserer Testfahrt hat sich der Verbrauch bei einem Mix aus Autobahn und Stadtverkehr auf etwas über 12 Liter Diesel eingependelt. Das Fahrverhalten ist etwas träge, was sicherlich dem Gesamtgewicht und der Schnittigkeit einer Schrankwand geschuldet ist.

Mitsubishi_pajero-felgen

Platzangebot

Ihr müsst auch nicht gleich in eine Kiesgrube umziehen, um dieses Auto zu rechtfertigen. Klar dürft ihr mit dem Mitsubishi Pajero auch die Großstadt unsicher machen. Eine optionale dritte Sitzreihe macht den Geländewagen zum Siebensitzer. Und dazu bietet er maximal 1.789 Liter Gepackraumvolumen. Da lässt sich eine ganze Menge verstauen. Etwas umständlich ist dabei die Hecktür, die eine Klappe ersetzt. Sie lässt sich von links öffnen und braucht recht viel Platz zum Hintermann. Und dazu muss noch der Platz berücksichtigt werden, um dann noch um die Tür herum zum Fußweg zu laufen. Im Alltag mit Kinderwagen eine etwas unglückliche Lösung.

Mitsubishi_pajero-navigation

Fazit

Der Mitsubishi Pajero macht Spaß. Insbesondere im Gelände, mit Wohnwagen oder Pferdeanhänger. Für die täglichen Touren mit Kindern gibt es sicherlich andere Modelle, die im Handling und vom Verbrauch etwas vernünftiger sind. Wer aber ein geräumiges Fahrzeug mit viel Power und Kraft sucht, der im Vergleich zu anderen Modellen unter 40.000 Euro in der Basisversion kostet, der darf gern mal eine Proberunde drehen. Zwei Anekdoten noch zum Namen: laut Wikipedia stammt der Name Pajero vom „Leopardus pajeros“, der in unwegsamen Gebirgszügen Südamerikas lebt. Und in spanischsprachigen Ländern sowie in Nordamerika heißt das Modell Montero, weil das spanische Wort „Pajero“ eine anzügliche Beleidigung ist. Das wissen in Deutschland aber eigentlich nur BWL-Studenten aus der Vorlesung über Stolperfallen bei Markennamen.

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